Fredeswinds Märchenschatztruhe

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Fredeswind
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Intermezzo: Mit Fontane durch Frankreich, Teil 4

Beitrag von Fredeswind » Mi Okt 09, 2019 9:35

Kommandant Blaubart lächelte und machte eine gefällige, halb zustimmende, halb ablehnende, also, wenn der Ausdruck gestattet ist, eine neutrale Handbewegung, die etwa ausdrücken sollte: „Dies ist eine heikle Frage; die Entscheidung steht bei Ihnen“, und entließ mich dann mit jenen Formen, die er beherrschte und die ihn so wohl kleideten.

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Raumofsky erwartete mich oben. Dies Abgerufenwerden zum Kommandanten war natürlich ein Ereignis. „Rasumofsky, ich bin frei!“ Der erste Effekt dieser Worte war alles andre eher als heiter… Er erholte sich aber schnell und sagte herzlich: „Na, das ist schön, da wird sich die Frau Leutnant freuen. Himmelwetter, wenn unsereins doch mitkönnte!

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„Rasumofsky, Sie wissen, ‚la paix est prochaine‘ ( der Frieden ist nahe)… Sie werden mich in Berlin besuchen. Tag oder Nacht, alles ganz egal. Sie sollen Kaffee haben. Dafür bin ich Hausherr.“ „Ach Herr Leutnant, Sie sind zu gut.“... „Hier, alte Seele, haben Sie einen Befreiungsfranken. Und nun seien Sie fünf Minuten ruhig; ich muss an den Kommandanten schreiben.“ Dies geschah. Ich hatte angefragt, ob meiner Abreise am Dienstag nichts entgegenstehen würde!

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Rasumofsky sprang die Treppe hinunter, überreichte meinen Brief unten im Büro und flog dann in die Kaserne hinüber, um als erster die Siegesnachricht zu überbringen: „Mein Leutnant ist frei!“ Es ist fraglich, ob die Kapitulation von Paris eine ähnliche Sensation hervorgerufen haben würde.

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Intermezzo: Mit Fontane durch Frankreich, Teil 4

Beitrag von Fredeswind » Do Okt 10, 2019 9:59

2. DER LETZTE SONNTAG

Noch am Sonnabendabend war mit mitgeteilt worden, dass der Dienstag als Abreisetag genehmigt worden sei. Gleichzeitig erfuhr ich, dass bei Ausstellung meiner Liberationsorder, Gambetta lediglich dem Andringen Crémieux (des Justizministers) nachgegeben habe. Ich erkannte in dem allen leicht die Zusammenhänge mit der Heimat und wusste genau, wohin ich den eigentlichen Dank für meine Befreiung zu richten hatte.

Heitern Sinnes erwachte ich am andern Morgen. In Traum und Gedanken übersprang ich die Meilen und die Schwierigkeiten, die noch zwischen Château d’Oléron und der Königgrätzr Straße lagen. Es war der letzte Sonntag. Der Himmel blau, die Luft weich und warm… so trat ich wieder auf den Rempart hinaus…


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Ich kehrte bald in mein Zimmer zurück, kramte, arrangierte und überlegte, als es klopfte und gleich darauf ein kleiner Herr eintrat, der mich anfangs in Zweifel darüber ließ, ob ich ihn für einen kleinstädtischen Doktor oder einen großstädtischen Küster nehmen sollte.

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Er entpuppte sich aber bald als Monsieur le prédicateur Masson, reformierte Geistlicher zu Saint Pierre auf der Insel Oléron. Ich kann wohl sagen, dass mir diese Begegnung, nach dem ich so viele Wochen lang immer im Verkehr mit katholischen Geistlichen gewesen war, ein besonderes Interesse einflößte… Ich bat ihn Platz zu nehmen. Er tat es, aber sehr unvollkommen.

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Den Predigerton habe ich niemals so in Blüte als bei diesem kleinen Manne. Er war unfähig, ein Wort einfach und natürlich zu sprechen. Alles war Rede, feierliche Ansprache… Dieser Eindruck wuchs dadurch, dass er sich, so oft die Reihe des Sprechens an ihn kam, von seinem Stuhl erhob, um stehend und mit berufsmäßigen Handbewegungen seine Rede zu halten. Man kann sagen, er taufte und traute beständig.

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Beitrag von Fredeswind » Do Okt 10, 2019 10:30

Seine erste Ansprache, nach erfogter Vorstellung, ging dahin, dass sein Freund und Amtsbruder Monsieur Delmas… ihm eine historische Studie ‚L’eglise Réformée de la Rochelle‘ übersandt habe, zugleich mit der Bitte, dieselbe einem ‚historien prussien‘ (preußischen Geschichtsschreiber), der sich zur Zeit als Kriegsgefangener auf Oléron befinde, überreichen zu wollen...

Nach sorglicher Durchforstung aller tausend Gefangenen war, unter Anwendung des Indizien- oder Wahrscheinlichkeitsbeweises der Verdacht des Historikers an mir, als an einem schon früher literarisch Betroffenen, haftengeblieben, und da stand ich denn nun…, nicht ohne eine gewisse Verwirrung, den Schatten eines Lorbeers auf meiner Stirn. In Besançon zum ‚officier supérieur‘ in Oléron zum ‚historien prussien‘ kreiert, gewann ich erst Fassung wieder in dem Gedanken, dass die Fremde ihren Mann erkennt und der Heimat (die nie recht ran will) die großen Fingerzeige gibt...


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Ich bat ihn, seinem Amtsbruder in La Rochelle meinen besten Dank für die mir erwiesene Ehre auszusprechen. Wir gingen dann zu einem Gespräch über die Insel Oléron über, über die kirchlichen Zustände, über das Verhältnis von Katholiken und Protestanten, der Zahl wie der gegenseitigen Stimmung nach. Er gab mir über alles Aufschluss….

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Schließlich erhob er sich, trat seinen Zylinder in der Hand drei Schritte zurück und begann mit gesteigerter Feierlichkeit: „ Monsieur, il n’est pas vraisemblable, que nous nous reverons ici, que nous nous reverrons dans ce monde.(Mein Herr, es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass wir uns hier wiedersehen werden, dass wir uns in dieser Welt wiedersehen werden.

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Mais nous avons une patrie, grande et éternelle, où n'existe pas de guerre, où la haine, l'anomosité ont cessé, où les peuples demeurent en paix par notre Sauveur Lésus Christ, par lui, qui est la lumière, l'amour et la grâce. Voilà où nous reverrons... Monsieur, je vous demande pardon... Monsieur, je suis flaché de vous avoir dérangé... Monsieur, j'ai l'honneur..."(Aber wir haben ein Vaterland, ein großes und ewiges Vaterland, in dem es keinen Krieg gibt, wo Hass und Feindschaft aufgehört haben, in dem die Völker im Frieden leben durch unseren Heiland Jesus Christus, durch ihn, der das Licht, die Liebe und die Gnade ist. Dort werden wir uns wiedersehen… Mein Herr, ich bitte Sie um Vergebung… Mein Herr, es tut mir leid, sie gestört zu haben… Mein Herr, ich habe die Ehre…) Während dieser Sätze hatte er seinen Rückzug angetreten ohne sich umzudrehen, immer Auge in Auge…

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Es fiel mir wie eine Last von der Brust. Die letzten Minuten hatten mich einen schweren Kampf gekostet. Bis zu den Worten: „Voilà, où nous nous reverrons“ war ich ihm ernsthaft gefolgt, als mir aber plötzlich klar wurde: er predigt, er zitiert vielleicht, erfasste mich das Komische der Situation mit solcher Gewalt, dass ich, nur noch mit Niederkämpfung meines Krampfes, von allem Weiteren nichts anderes als Einzelne Worte hörte. Niemals habe ich das Missliche der pastoralen Redeweise so empfunden wie hier.

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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von playmovictorian » Do Okt 10, 2019 21:08

Ein Land, in dem weder Krieg noch Hass existieren... keine Utopie, sondern das, was jeder in diesem Leben anstrebt und hoffentlich im nächsten finden wird :heilig

Ihre Geschichte zeigt bis zur Perfektion das politische, soziale und sogar spirituelle Umfeld dieser epochalen Ära :zehn

Ich habe die Begegnung zwischen der Hauptfigur und dem Kirchenmenschen sehr genossen und bin froh, dass er befreit wurde.

Er wird niemals ein Wort gegen Frankreich sagen, das mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte, da es so viel gibt, dass ich, ein Franzose, darüber sagen könnte :kicher

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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von Fredeswind » Fr Okt 11, 2019 10:05

playmovictorian hat geschrieben:
Do Okt 10, 2019 21:08
Ein Land, in dem weder Krieg noch Hass existieren... keine Utopie, sondern das, was jeder in diesem Leben anstrebt und hoffentlich im nächsten finden wird :heilig

Ihre Geschichte zeigt bis zur Perfektion das politische, soziale und sogar spirituelle Umfeld dieser epochalen Ära :zehn

Ich habe die Begegnung zwischen der Hauptfigur und dem Kirchenmenschen sehr genossen und bin froh, dass er befreit wurde.

Er wird niemals ein Wort gegen Frankreich sagen, das mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte, da es so viel gibt, dass ich, ein Franzose, darüber sagen könnte :kicher

Wunderbares Geschichtenerzählen wie immer lieber Freund :klatsch2
:dank :dank1 :oops :oops

Encore une fois, merci à Fontane!

LG von der Märchenfee Fredeswind :fee
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Beitrag von Fredeswind » Fr Okt 11, 2019 10:17

3. DER LETZTE ABEND

So kam der letzte Abend heran. Er hatte eine besonders festliche Erscheinung. Bei Verteilung meiner Wirtschaftsgegenstände hatte sich nämlich ein ungeahnter Reichtum an Stearinlichtern ergeben, und da Rasumofsky, dem natürlich alles zufiel, hochherzig erklärte, zugunsten einer Illumination auf diesen Erbteil verzichten zu wollen, so hatte sich unter Heranschleppung aller möglichen Blaker und Leuchter, die überhaupt aufzutreiben waren, eine feenhafte Beleuchtung bei mir vorbereitet.


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Licht gibt Heiterkeit… Ich setzte mich an den Schreibtisch, um ein paar Abschiedsbriefe zu kuvertieren und sprang immer wieder auf, um in meiner Lichterallee spazieren zu gehen. Ich bin ein schlechter Sänger und Pfeifer, aber ich glaube ich versuchte mich als beides. Meine gute Laune hatte noch einen besonderen Grund.

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Es war nämlich unmöglich, auf Rasumofsky zu blicken, ohne von jenem Empfindungskontrast berührt zu werden, der vielleicht die Wurzel allen Humors ist. Von den drei Kardinaleigenschaften meines Burschen, um derentwillen ich ihn überhaupt engagiert hatte, hatte ich bisher nur zwei kennengelernt, den Polen und den schwarzen Husaren.

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Heute, zum Abschied, hatte er, mir zur Liebe, auch die dritte seine Qualitäten hervorgesucht: den Schneider. Das rechte Bein über dem linken Knie, so saß er da, von Lichtern umstrahlt, vom Kaminfeuer beschienen, und nähte mir aus blauem Futterkram, einen Reisesack. Er tat es gern, weil er das Bedürfnis hatte, mir seine Liebe zu bezeigen; aber es war ein Opfer, das er mir brachte…

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Beitrag von Fredeswind » Fr Okt 11, 2019 10:31

Alle Augenblicke kam Besuch… Unter den vielen, die kamen und gingen befand sich auch unser Kölner Freund mit dem Klapphut… Er kam abermals dienstlich, und zwar diesmal, um mir im Auftrage des Kommandanten meinen ‚Reisepass‘ zu überreichen. Ich dankte, soweit das meine große Überraschung zuließ. Ich hatte nämlich geglaubt, auf dieselbe Weise, wie ich gekommen war, nun auch meine Rückreise antreten zu können, und musste mich jetzt von der alten Wahrheit überzeugen, dass Freiheit teuer ist und ein beständiges Daransetzen von Gut und Blut erwartet.

Nicht in Gendarmeriebegleitung sollte ich mich auf den Rückweg machen, sondern in völliger Freiheit, mir selber überlassen… Mir war ein Umweg, der die Meilenzahl gerade verdoppelte als Reiseroute vorgeschrieben… Alle Städte, die ich zu passieren hatte nur lose am Faden der Ordnung… Ich hatte das Gefühl , durch meine Befreiungsrorder auf einen Vulkan gestellt zu sein. Dies Gefühl war so stark, dass ich einen Augenblick…: „Ich bleibe hier“, sehr ernsthaft in Erwägung zog. Dann schämte ich mich wieder dieses Kleinmuts… Die Situation war wirklich heikel… Es liegt in meiner Natur, angesichts aller Dinge, über die ich ausnahmsweise nicht gleich hinweg kann, sorglich zu balancieren und nur zögern zu einem Entschluss zu kommen, ist dieser aber einmal gefasst, so spring ich auch sofort wieder mit beiden Füßen in die alte Sorglosigkeit hinein und vertraue lachend meinem guten Stern.


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So tat ich auch hier. Es wurde mir erleichtert durch einen Besuch, der mit der Entscheidung, die ich fasste, fast zusammentraf. Es klopfte abermals. Herein trat ein großer schöner Mann in der Uniform eines Zuaven-Tambourmajors. Blauer Rock, blanke Knüpfe, mächtige rote Epauletten, der schwarze Vollbart sappeurartig herniederhängend… Es war der Cantinier.

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Man denke sich mein Erstaunen. Die Schönheit dieses wirklich pompösen Mannes wurde nur noch von dem Komischen seiner Erscheinung übertroffen. Er blieb drei Schritte vor mir stehn, verbeugte sich, legte seine linke Hand auf die Brust und begann feierlich: „Mein Herr, Die Verhältnisse haben es mir versagt, auf mehrere Schreiben, die ich die Ehre hatte von Ihnen zu empfangen, schriftlich zu erwidern.

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Es ist mir Bedürfnis, persönlich Ihre Nachsicht dafür zu erbitten. Zugleich spreche ich Ihnen in meinem und meiner Dame Namen mein aufrichtiges Bedauern darüber aus, Sie so früh aus unserer Mitte scheiden zu sehn. Sie werden anders darüber empfinden, aber genehmigen Sie mir die Versicherung, dass Sie ein Gegenstand unsres besonderen Respektes waren:“ Hier schwieg er, verneigte sich wieder und wartete ersichtlich auf meine Antwort.

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Beitrag von Fredeswind » Fr Okt 11, 2019 10:41

Ich ging also auch los.: „Monsieur le Cantinier, es gereicht mir zu einer ganz besonderen Ehre, dass ich noch Gelegenheit finde, Sie in dieser prächtigen Erscheinung vor mir zu sehen. Sie sind ein schöner Mann; verzeihen Sie die Unumwundenheit meiner Ausdrucksweise (er verneigte sich), aber wenn es etwas gibt, das imstande ist, Ihrer Persönlichkeit Vorschub zu leisten, so ist es diese Uniform.“…

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Er trat plötzlich einen Schritt näher an mich heran und sagte mit bewegter Stimme: „Monsieur, je ne crains pas de vous offenser, si je vous prie…“ (Mein Herr, ich befürchte nicht, Sie zu beleidigen, wenn ich Sie bitte…) Ich warf unwillkürlich den Oberkörper zurück. „Monsieur“, fuhr er fort, „perettez, que je vous embrasse.“ (Herr…, erlauben Sie, dass ich Sie umarme.)

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In solchen Momenten ist ein mutiges Hinein ins Unvermeidliche immer das Beste… Ich warf mich also auf ihn, drückte... ihn an meine Brust und schob erst meine linke, dann meine rechte Backe an den beiden Flanken seines mächtigen Hauptes vorbei. Dann ließ ich los. „Rasumofsky, Licht!“ Dieser packte den nächsten Leuchter, riss die Tür auf und beschleunigte dadurch den Rückzug.

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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von playmovictorian » Fr Okt 11, 2019 11:00

Vertrauen Sie seinem guten Stern und lachen und so sollte er als Hauptfigur ist sehr glücklich in der Tat wieder frei zu sein :great

Was für eine wunderbare Galerie von Charakteren und ich könnte fast die Begegnung bei Kerzenschein visualisieren !

Fesselnde Geschichte :zehn :great
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Intermezzo: Mit Fontane durch Frankreich, Teil 4

Beitrag von Fredeswind » Sa Okt 12, 2019 11:21

4. ABSCHIED

Um sieben Uhr früh war ich auf. Es dunklete noch, aber ein großes Reisigfeuer gab überallhin Licht und Wärme. Um neuneinhalb ging das Schiff. Gepackt war. Auf dem unter Rasumofskys Händen rasch arrangiertes Bett lagen meine Habseligkeiten, der Hut, der Überzieher, die Reisedecke, zuletzt der blaue Reisesack... Unten am Bett lag Blanche. Sie hatte noch nicht ausgeschlafen, reckte und streckte sich und sah halb neugierig, halb missgestimmt unserem Treiben zu.


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Es schlug acht, das letzte Frühmahl war genommen. Rasumofsky hatte seine Erbschaft angetreten. Alles war sein. Vor den Sentimentalitäten des Abschieds wurden wir durch immer neu eintreffende Besuche bewahrt, die mir Grüße, Briefe Bestellungen mit in die Heimat gaben... So kam neun Uhr. Blanche hatte sich inzwischen erholt und drängte sich an mir vorbei, ihre Flanken immer dichter an meinem Stiefel streifend.

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Rasumofsky hatte die Decke über den linken Arm gehängt, und den blauen Sack in der Rechten, harrte er des Zeichens zum Aufbruch. „Nun mit Gott.“… Über Flur und Hof hin, wo noch wieder die Hände geschüttelt wurden, ging es.. auf das Hafenbollwerk zu, wo die Dampfer anzulegen pflegten. Ich löste ein Billett. Rasumofsky legte Decke und Sack auf einen Mühlstein, der Tisch und Stuhl zugleich war…

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So standen wir einander gegenüber. „Ja, Rasumofsky, so geht es,“ „Ja,, Herr Leutnant.“ „Nun seien Sie vernünftig und kommen sie bald nach.“ „Ach, Herr Leutnant ( hier kam er mit näher ans Ohr), am liebsten brennt ich gleich mit durch.“ „Unsinn. Ewig kann es nicht dauern. Gott befohlen!“ Es zwinkerte ihm etwas um die Augen, ich gab ihm die Hand, dann machte er kehrt, ging stramm auf die Stadt und Zitadelle zu... und winkte noch einmal zurück.

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Das Schiff war noch nicht da. Ich setzte mich auf den Mühlstein und gab mich dem Zauber dieser Minute hin. Es war wie ein Vorgeschmack der Freiheit. Hinter mir und zu meiner, Rechten lag das Meer, nach links hin die Insel… Der Dampfer hatte inzwischen angelegt. Ich war der einzige Passagier...

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Mit Leichtigkeit löste sich der Dampfer von Ufer, der Seewind strich über das Deck und ein leises Frösteln schüttelte mich… An Büschen und Bojen hin, die das Fahrwasser bezeichneten, glitt der Dampfer ruhig seine Straße... Nun begann ein Hohio und das Rufen in den Maschinenraum hinunter. Die Breitseite des Dampfers legte sich an den Kai. Ich sprang ans Ufer. Festland unter den Füßen. Drüben auf Olèron verschwanden die letzten Schatten im Nebel.
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Beitrag von Fredeswind » So Okt 13, 2019 16:18

5. RÜCKKEHR

Am Ufer hielten Deligenzen und Omnibusse, die bis Marennes und Rochefort gingen; keins dieser großen Gefährte aber hatte Lust, einen einzigen Passagier landeinwärts zu schaffen. Ich nahm also eine Art Postkutsche, nicht billig aber doch immer auch nicht so teuer, wie wenn man in Mark Brandenburg von Buckow bis Werneuchen fährt, und rollte bei immer heller werdendem Wetter, die Hauptstraße von Marennes hindurch in die dahinter gelegene Landschaft hinein.


Ich erkannte all die alten Punkte wieder. Dies war das Wäldchen, wo der Marketender die ‚Wacht am Rhein‘ angestimmt hatte... Und dies endlich war das Dorf und die Auberge, wo in das Gewirr der Stimmen und das Geklapper der Kaffeetassen hinein die Schlagtriller der Kanarienvögel erklungen waren. War jener Tag schön gewesen, so war dieser noch schöner, trotz eines leisen Druckes, den ich nach wie vor auf dem Herzen spürte.

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Die französischen Kutscher fahren brillant. Schon um zwei Uhr rasselte die Kutsche über das Vorstadtpflaster von Rochefort. Ich hatte zwei Gänge in Rochefort zu machen, den einen um der Pietät, den andern um der Respektabilität willen. Diesen zweiten Gang machte ich zuerst. Es war nämlich unmöglich, den blauen Kattunsack... als Handgepäck eines permiére – classe – Reisenden bei zu behalten. Ein Tausch also musste sich notwendig vollziehen... Endlich fand ich eine Reiseeffektenhandlung... Ich kaufte eine leidlich elegante Tasche, bat, den Prozess des Umpackens sofort vornehmen zu können und löste diese Aufgabe… mit Geschick und Dezenz...

Mein nächster Gang in Rochefort galt dem Monsieur Vignaud, dem Vorstande des Gefängnisses... Man empfing mich wie einen alten Bekannten, der Direktor habe gerade eben von mir gesprochen.


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Dieser war wie gewöhnlich an seinem Pult und las im ‚Moniteur universel‘ den Meinungsaustausch zwischen dem Grafen Bismarck und dem Comte Chaudordy über Gefangenenbehandlung hüben und drüben. Ein sehr zeitgemäßes Thema. Er schob mir das Blatt zur Durchsicht hin; ein kurzes Gespräch knüpfte sich daran.

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Ich fragte nach dem Sohn, dessen Zimmer ich bewohnt hatte; er zuckte mit den Achseln – ein Brief war seit Wochen nicht eingetroffen. So schieden wir, ein jeder gut national und doch gute Freunde mitten im Krieg.

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Beitrag von Fredeswind » So Okt 13, 2019 16:39

Der Bahnhof war ziemlich nah. Ich erfuhr, dass in dreißig Minuten ein Zug abgehe, der aber halben Wegs zwischen Rochefort und Bordeaux (in Angoulême) vier oder fünf Stunden liegenbleibe, um da Eintreffen des Hauptzuges von Orléans her abzuwarten. Mir brannte der Boden unter den Füßen. Also weiter! Um zehn Uhr abends war ich in Angoulême. Ich nahm einen Imbiss, dann wurden die Gasflammen am Buffet gelöscht und ein Kellner führte mich einem Bahnhofsbeamten zu, der nun den Wartesalon öffnete. Hinter mir wurde wieder zugeschlossen.

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Es war ein dunkler Raum; die dicht aufgeschüttete Kohlenmasse glühte nur; große Schatten gingen an die Decke hin, wenn draußen auf dem Perron sich irgendetwas regte – es war die Infirmerie von Moulins, ins Elegante übersetzt. An den Wänden entlang standen Plüschkanapees…, alles bequem und einladend. Ich streckte mich, um ein paar Stunden zu schlafen.

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Es wollte aber nicht recht glücken, da ich bald wahrnehmen musste, dass ich nicht der einzige Bewohner an dieser Stelle war. Auf einem zweiten Kanapee, das Kopf an Kopf mit dem meinigen stand, wurd es unruhig, drehte und dehnte sich, gähnte dazwischen und gab allerhand andere Zeichen des Unbehagens. Endlich stand der Unruhige auf und setzte sich vor den Kamin.

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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von playmovictorian » Mo Okt 14, 2019 6:45

Fesselndes Geschichtenerzählen :klatsch2

Wunderbare Bilder, vor allem, wenn die Hauptfigur vor glitzerndem Meer auf das Schiff wartet und über seine neu gefundene Freiheit nachdenkt :zehn

Theodor Fontane, den ich die Schriften dank dir lieben Freund entdeckt habe, wurde als "Dickens of Berlin" bezeichnet und ich liebe die Art und Weise, wie seine beschreibende Erzählung uns immer in die Atmosphäre jeder Szene bringt, ob im Freien oder im Innenbereich.

Ich freue mich, etwas über eine Region zu lesen, die gar nicht weit von meinem Zuhause in Frankreich entfernt ist, und ich werde mit Sicherheit die Landschaft betrachten, die sich an die Trübsal der Hauptfigur erinnert.

Herr Fontane hatte wirklich einen wunderbaren Sinn für Beobachtung und Humor bei vielen Gelegenheiten, die letzte war der Charakter, der eine schmerzhaft elegante Reisetasche kaufte :kicher

"C'etait dans l'air du temps" in einer Zeit, in der Reisen einen gewissen Sinn für Stil erforderten!

Merci chere Fredeswind :blume
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Beitrag von Fredeswind » Di Okt 15, 2019 12:11

Die Kohlenglut gab gerade soviel Licht, dass ich ihn erkennen konnte. Es war ein junger Mann, wohlwollenden Gesichts, allem Anschein nach ein Kaufmann. Nach einer halben Stunde waren wir im Gespräch, und ich darf wohl sagen, ich schulde ihm den glücklichen Verlauf meiner Reise, von der er mir offen bekannte, dass er sie unter den obwaltenden Umständen für ein Wagnis halten müsse.

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„Sie müssen sich eilen; keine Aufenthalte, immer erster Klasse – die Züge zum Glück greifen ineinander ein... schlafen Sie viel, lesen Sie viel, sprechen Sie wenig.“ Etwa um zwei Uhr traf der Zug von Orléans ein. An demselben Vormittage war auf dem Terrain zwischen Artenay und der Loirehauptstadt gekämpft worden; fünf oder sechs Waggons waren mit bayerischen Gefangenen und Verwundeten gefüllt, namentlich Artillerie. Sie befanden sich auf dem Wege nach Pau.

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Ich trennte mich von meinem freundlichen Berater, wiederholte ihm meinen Dank, und weiter ging es auf Bordeaux zu.


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Beitrag von Fredeswind » Di Okt 15, 2019 12:49

Wir erreichten es sechs Uhr früh. Ein Fiacre führte mich über Brücken und Plätze, an einem prächtigen Kai hin, von einem Bahnhof zu dem andern. Nur eine halbe Stunde Rast.! Nun begann ein Fahren Tag und Nacht. Am Nachmittag in Toulouse, am Abend in Cette. Eine weite Wasserfläche dehnt sich zur Rechten…: „Was ist das?“ Das Mittelländische Meer. Weiter Montpellier, Nimes, Tarascon. Hier gingen wir auf die Marseiller Linie über. Am Morgen in Lyon. Lyon hat acht Bahnhöfe.

„Ou est la gare de Genève?“ (Wo ist der Genfer Bahnhof)
„C‘est ici, voilà.“ (Hier, da ist er)
„A quelle heur part le train?“ (Wann fährt der nächste Zug ab?)
„A présent. Dans cinq minutes. Dépechez vous!“ (Gleich in fünf Minuten, beeilen Sie sich!)


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Im Fluge löste ich mein Billett. Und weiter rasselte der Zug auf Genf zu.

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Nur noch zwanzig Meilen bis zur Grenze! Mir begann das Herz höher zu schlagen. Wie hatte ich die anderthalb Tage seit Angouléme zugebracht? Getreulich nach der Weisung meines Beraters. Die Augen geschlossen oder in ein Zeitungsblatt vertieft, so hatt ich die langen Stunden über dagesessen. Auch in der Nacht war kein Schlaf über mich gekommen. Was geht in solchen Stunden in einer Menschenseele vor? Womit tötet man die Zeit hinweg?... Das Auge ist tot...; die Bilder fallen auf die Netzhaut, aber der Nerv, der uns das Bild zum Bewusstsein bringen soll, versagt seinen Dienst. Und wie keine Bilder zu uns sprechen, so sprechen auch keine Gedanken in uns. Schemen, ein geistlos-geisterhaftes Wesen, ein fieberhaft durch das Hirn gehetztes Nichts; ein Stunden- und Minutenzählen. Immer dieselbe Frage: wie weit noch, wieviel Meilen noch?…


Nun waren wir in den Jura hinein; die Wälder bereift, die Häupter tief im Schnee. Ein Sturm pfiff, aber gleichviel, es ging vorwärts. Das war Bellegarde. Die letzte französische Schildwacht, den Kopf in der Kapuze, sah von der Felsenbrücke hoch oben auf unseren ihm mutmaßlich wie Spielzeug erscheinenden Zug hernieder. Fünf Minuten später rasselten wir an einem mit Holzbalkonen geschmückten Hause vorüber, das die Inschrift trug: „Café Guillaume Tell.“ Also Schweiz! Die ‚Bise‘ (Nord- oder Nordostwind) wehte von den Bergen her.

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Die Maschine keuchte, unter einem hohen Gebraus fuhren wir in die Bahnhofshalle ein. „Victoria-Hotel“ Ich wählte es mit gutem Vorbedacht. Ein Blick des Oberkellners auf meine Rochefort-Reisetasche (wie hätte erst Rasumofskys Schöpfung gewirkt) verurteilte mich zu drei Treppen. Als ich in den kleinen Raum eintrat, sang neben mireine Pensions-Engländerin die Gnadenarie (aus der Oper ‚Robert der Teufel‘ von Giacomo Meyerbeer).

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An dem schlecht eingehakten Fenster rüttelte und rasselte der Sturm. Gleichviel. Ich warf die Reisetasche in die Ecke, mich selber aufs Sofa, kreuzte die Hände über der Brust, atmete hoch auf und sagte das eine Wort:
„FREI!“


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ENDE
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"Ein guter Mensch ist, wer sein Kinderherz nie verliert."
(Chinesische Weisheit)




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