Fredeswinds Märchenschatztruhe

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Des Rätsels Lösung

Beitrag von Fredeswind » Mi Apr 01, 2020 20:27

Liebe Märchenfreunde! :kavalier

Dann werde ich das Rätsel mal auflösen. :pfeif

Das Märchen ist verwandt mit dem Märchen 'Der Eisenhans' und heißt:

'De wilde Mann'

Es wurde in Mundart niedergeschrieben und ich habe wieder versucht es für euch zu übersetzen. Den Satzbau und auch die Ausdrucksweise habe ich versucht so weit wie möglich beizubehalten, so bleibt der Charme einigermaßen bestehen, auch wenn es manchmal komisch klingt.

Gleich geht's los.

Viel Spaß beim Schmökern! :smile

LG von derMärchenfee Fredeswind :fee
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De wilde Mann (Brüder Grimm)

Beitrag von Fredeswind » Mi Apr 01, 2020 20:43

De wilde Mann

Der wilde Mann


(frei nach den Brüdern Grimm)


Et was emoel en wilden Mann, de was verwünsket un genk bie de Bueren in den Goren un in't Korn un moek alles to Schande.

Es war einmal ein wilder Mann, der war verwünscht und ging bei den Bauern in den Garten und ins Korn und machte alles zu Schanden.

Wild 01.JPG


Do klagden se an eeren Gutsheeren, se können eere Pacht nig mehr betalen, un do leit de Gutsheer alle Jägers bie ene kummen: we dat Dier fangen könne, de soll ne graute Belohnung hebben.

Da klagten sie bei ihrem Gutsherren, sie könnten ihre Pacht nicht mehr bezahlen, und da ließ der Gutsherr alle Jäger zu sich kommen: wer das Tier fangen könne, der solle ne große Belohnung haben.

Wild 02.JPG


Do kümmt do en ollen Jäger an, de segd, he wüll dat Dier wull fangen. Do mött se em ne Pulle met Fusel un ne Pulle met Wien un ne Pulle met Beer gierwen, de settet he an dat Water, wo sick dat Dier alle Dage wäskt.

Da kommt da ein alter Jäger an, der sagt, er wolle das Tier wohl fangen. Da möchten sie ihm ne Pulle mit Branntwein und ne Pulle mit Wein und ne Pulle mit Bier geben, der setzt sich an das Wasser, wo sich das Tier alle Tage wäscht.

Wild 03.JPG


Un do geiht he achter en Baum stohn, do kümmt dat Dier un drinket ut de Pullen, do leckt et alle de Mund un kickt herüm, ov dat auck well süht. Do werd et drunken, un do geit et liegen un schlöpd.

Und da geht er sich hinter einen Baum stellen, da kommt das Tier und trinkt aus den Pullen, da leckt er den ganzen Mund und guckt herum, ob das auch wer sieht. Da wird er trunken, und da geht er sich hinlegen und schläft.

Wild 04.JPG


Do geit de Jäger to un bind et an Händen un Föten, do weckt he et wier up un segd: „Du wilde Mann, goh met, söck sast du alle Dage drinken.

Da geht der Jäger hin und bindet es an Händen und Füßen, da weckt er es wieder auf und sagt: „Du wilder Mann, geh mit, solches sollst du alle Tage trinken.“

Wild 05.JPG
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Beitrag von Fredeswind » Mi Apr 01, 2020 20:53

Do nimmt he et mit noh dat adlicke Schloss, do settet se et in den Thornt, un de Heer geit to andre Nobers, de söllt seihn, wat he för 'n Dier fangen hed.

Da nimmt er es mit nach dem adligen Schloss, da setzen sie es in den Turm, und der Herr geht zu anderen Nachbarn, die sollen sehen, was er für‘n er Tier gefangen hat.

Wild 06.JPG


Do spierlt ene von den jungen Heerens met'n Ball un let de in den Thornt fallen, un dat Kind segd: „Wilde Mann, schmiet mie den Ball wier to.“

Da spielt einer von den jungen Herren mit‘m Ball und lässt ihn in den Turm fallen, und das Kind sagt: „Wilder Mann, schmeiß mir den Ball wieder zu!“

Wild 07.JPG


Do segd de wilde Mann: „Den Ball most du sölvst wier hahlen.“ „Je“, segd dat Kind, „ick heve kinen Schlürtel.“

Da sagt der wilde Mann: „Den Ball musst du dir selbst wieder holen.“ „Ja“, sagt das Kind, „ ich habe keinen Schlüssel.“

Wild 08.JPG


„Dann mack du, dat du bie dien Mooer eere Tasken kümmst, un stehl eer den Schlürtel.“ Da schlüt dat Kind den Thornt orpen, un de wilde Mann löpd derut.

„Dann mach du, dass du bei deiner Mutter an ihr Tischchen kommst, und stiehl ihr den Schlüssel.“ Da schließt das Kind den Turm auf, und der wilde Mann läuft raus.

Wild 09.JPG


Do fänk dat Kind an to schreien: „O wilde Mann, bliev doch hier, ick kriege süs Schläge.“ Do niermt de wilde Mann dat Kind up de Nacken un lopd dermet de Wildnis herin; de wilde Mann was weg, dat Kind was verloren.

Da fängt das Kind an zu schreien: „O, wilder Mann, bleib doch hier, ich kriege sonst Schläge.“ Da nimmt der wilde Mann das Kind auf den Nacken und läuft damit in die Wildnis rein; der wilde Mann war weg, das Kind war verloren.

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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von Meerkoenig » Mi Apr 01, 2020 21:10

:kavalier
Ich dachte mir schon das es miit dem Märchen Eisenhans verbunden ist. :gruebel :pfeif

Denn sonst gibt es nichts ähnliches :gruebel :pfeif :wink :kicher

:kavalier
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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von Fredeswind » Mi Apr 01, 2020 21:19

Meerkoenig hat geschrieben:
Mi Apr 01, 2020 21:10
:kavalier
Ich dachte mir schon das es miit dem Märchen Eisenhans verbunden ist. :gruebel :pfeif

Denn sonst gibt es nichts ähnliches :gruebel :pfeif :wink :kicher

:kavalier
Mk
:dank1

Und nachdem ich den Eisenhans schon eingestellt habe, bleibt ja nicht mehr viel.
'De wilde Mann' ist auch nicht gerade eines der gängigen Märchen.

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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von playmovictorian » Do Apr 02, 2020 9:53

Wunderbares Geschichtenerzählen lieber Freund :klatsch2

Ich habe wirklich die Moral der undankbaren Sohn Geschichte und die Tatsache, dass eine liebevolle Mutter immer vergeben am Ende, auch ein Sohn, der so schändlich gegenüber ihr und ihre Großzügigkeit verhalten genossen.

Ich liebe die Wilde-Mann-Geschichte, die ich nicht kannte, und Gott weiß, dass ich seit Jahren Märchen aus Ländern bis nach Russland, Kanada, Afrika und so weiter sammle, da es so viel gibt, was man von ihnen lernen kann :great

Bitte bezaubern Sie uns mit Ihren wunderbaren Geschichten :knuddel3
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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von Fredeswind » Do Apr 02, 2020 11:32

playmovictorian hat geschrieben:
Do Apr 02, 2020 9:53
Wunderbares Geschichtenerzählen lieber Freund :klatsch2

Ich habe wirklich die Moral der undankbaren Sohn Geschichte und die Tatsache, dass eine liebevolle Mutter immer vergeben am Ende, auch ein Sohn, der so schändlich gegenüber ihr und ihre Großzügigkeit verhalten genossen.

Ich liebe die Wilde-Mann-Geschichte, die ich nicht kannte, und Gott weiß, dass ich seit Jahren Märchen aus Ländern bis nach Russland, Kanada, Afrika und so weiter sammle, da es so viel gibt, was man von ihnen lernen kann :great

Bitte bezaubern Sie uns mit Ihren wunderbaren Geschichten :knuddel3
:dank :dank :oops :oops

Und vielen Dank für das große Lob! :blume

Also auch ein Märchensammler, genau wie ich. Ich habe sehr sehr viele Märchenbücher zu Hause, auch aus aller Welt. Der Stoff geht mir daher wohl nicht so schnell aus, auch wenn ich viele zum Inszenieren ausschließen muss, da mir die passenden Kulissen oder Figuren von Playmobil fehlen. Die Märchen sind sowieso oft schon eine Herausforderung für sich.

Bei diesem Märchen 'De wilde Mann', habe ich lange überlegt, welche Figur ich für den wilden Mann nehmen könnte, und hatte erst einmal keine Idee, weil die Figur hier mal das Tier, mal der wilde Mann genannt wird. Vor ein paar Wochen habe ich dann mal das Playmobilregal in unserem Spielwarenladen inspiziert, um vor allem die Neuheiten anzuschauen. Und da entdeckte ich den ''Wolfsmann'', den gibt es zwar schon länger, aber bisher hatte ich keine Verwendung dafür und er war mir nicht wirklich aufgefallen. So wurde dieser zum wilden Mann.

Gerne werde ich euch weiter mit meinen Geschichten erfreuen und Märchen mit euch entdecken, bei dem Publikum hier ist das doch eine reine Freude.

LG von der Märchenfee Fredeswind :fee
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Beitrag von Fredeswind » Do Apr 02, 2020 11:43

De wilde Mann, de tüt dat Kind en schlechten Kiel an un schickt et noh den Görner an den Kaisers Hof, do mot et frogen, ov de kinen Görnersjungen van dohn hed. Do segd de, he wöre so schmeerig antrocken, de annern wullen nig bie em schlopen.

Der wilde Mann, der tut dem Kind einen schlechten Kittel an und schickt es nach dem Gärtner an des Kaisers Hof, da muss es fragen, ob die keinen Gärtnerjungen von Nöten hätten. Da sagen die, er wäre so schmierig angezogen, die andern wollen nicht bei ihm schlafen.

Wild 11.JPG


Do seg he, he wull int Strauh liegen, un geit alltied des Morgens fröh in den Goren, do kümmt em de wilde Mann entgiergen, do seg he: „Nu waske die, nu kämme die.“ Un de wilde Mann mackt den Goren so schön, dat de Görner et sölvst nig so gut kann.

Da sagt er, er wolle ins Stroh liegen, und geht allzeit des Morgens früh in den Garten, da kommt ihm der wilde Mann entgegen, da sagt er: „Nun wasche dich, nun kämme dich.“ Und der wilde Mann macht den Garten so schön, dass die Gärtner es selber nicht so gut können.

Wild 12.JPG


Un de Prinzessin süt alle Morgen den schönen Jungen, do seg se to den Görner, de kleine Lehrjunge söll eer een Busk Blomen brengen.

Und die Prinzessin sieht alle Morgen den schönen Jungen, da sagt sie zu dem Gärtner, der kleine Lehrjunge solle ihr einen Busch Blumen bringen.

Wild 13.JPG


Un se frög dat Kind, van wat för Stand dat et wöre, do seg et, ja, dat wüs et nig; do giv se em en broden Hohn vull Ducoeten.

Und sie fragt das Kind, von was für‘n Stand das es wäre, da sagt es, ja, das wüsste es nicht; da gab sie ihm ein gebratenen Hahn voll Dukaten.

Wild 14.JPG


Es he in kümmt, giv he dat Geld sinen Heeren un segd: „Wat sall ick do met dohn, dat bruckt ji men.“

Als er rein kommt, gibt er das Geld seinem Herren und sagt: „Was soll ich damit tun, das braucht ihr mehr.“

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Beitrag von Fredeswind » Do Apr 02, 2020 12:06

Un he moste eer noh enen Busk Blomen brengen, do giv se em ne Aant vull Ducoeten, de giv he wier an sinen Heeren.

Und er musste ihr noch einen Busch Blumen bringen, da gibt sie ihm ne Ente voll Dukaten, die gibt er wieder an seinen Herren.

Wild 16.JPG


Un do noh enmoel, do giv se em ne Gans vull Ducoeten, de giv de Junge wier an sinen Heeren. Do ment de Prinzessin, he hev Geld, un he hev nix, un do hierothet se em in't geheem.

Und dann noch einmal, da gibt sie ihm ne Gans voll Dukaten, die gibt der Junge wieder an seinen Herren. Da meint die Prinzessin, er hat Geld, und er hat nichts, und da heiratet sie ihn insgeheim.

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Un do weeret ehre Öldern so beise un setten se in dat Brauhuse, do mot se sick met spinnen ernähren, un he geit in de Kücke un helpt den Kock de Broden dreien un steld manxden en Stück Fleesk un bringd et an sine Frau.

Und da werden ihre Eltern so böse und setzen sie in das Brauhause, da muss sie sich vom Spinnen ernähren, und er geht in die Küche und hilft dem Koch den Braten drehen und stiehlt manchmal ein Stück Fleisch und bringt es zu seiner Frau.

Wild 18.JPG


Do kümmt so 'n gewoltigen Krieg in Engelland, wo de Kaiser hin mott un alle de grauten Heerens, do segd de junge Mann, he wull do auck hen, ov se nig no en Perd in Stall hedden, un se saden, se hedden noh ent, dat gönk up drei Beenen, dat wör em gut genog. He settet sick up dat Perd, dat Perd, dat geit alle husepus husepus.

Dann kommt so‘n gewaltiger Krieg in England, wo der Kaiser hin muss und all die großen Herren, da sagte der junge Mann, er wolle da auch hin, ob sie nicht noch ein Pferd im Stall hätten, und sie sagten, sie hätten noch eins, das gehe auf drei Beinen, das wär ihm gut genug. Es setzt sich auf das Pferd, das Pferd das geht immer husepus husepus.

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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von JohnToni » Do Apr 02, 2020 20:06

Was für wunderschöne Fotos Irmi :blume

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung. :smile
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Re: Fredeswinds Märchenschatztruhe

Beitrag von Fredeswind » Fr Apr 03, 2020 11:11

JohnToni hat geschrieben:
Do Apr 02, 2020 20:06
Was für wunderschöne Fotos Irmi :blume

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung. :smile

:dank :dank :oops :oops

Dann mach ich doch mal gleich weiter.

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Beitrag von Fredeswind » Fr Apr 03, 2020 11:21

Do kümmt em de wilde Mann in de möte, do döt sick so 'n grauten Berg up, do sind wull dusend Regimenter Soldaten un Offzeers in, do dät he schöne Kleeder an un krigd so 'n schön Perd. Do tüt he met alle sin Volk in den Krieg noh Engelland, de Kaiser enfänk en so fröndlick un begerd en, he mög em doh biestoen.

Da kommt ihm der wilde Mann entgegen, da tut sich so‘n großer Berg auf, da sind wohl tausend Regimenter Soldaten und Offiziere drin, da tut er schöne Kleider an und kriegt so‘n schönes Pferd. Da zieht er mit all seinem Volk in den Krieg nach England, der Kaiser empfängt ihn so freundlich und begehrt ihn, er möge ihm doch beistehen.

Wild 20.JPG


He gewinnt de Schlacht un verschleit alles. Do dät sick de Kaiser so bedanken vör em un frägd, wat he för 'n Heer wöre, he segd: „Dat froget mie men nig, dat kann ick ju nig seggen.“

Er gewinnt die Schlacht und zerschlägt alles. Da tut sich der Kaiser so bedanken vor ihm und fragt, was er für‘n Herr er wäre, er sagt: „Das fragt mich man nicht, das kann ich euch nicht sagen.“

Wild 21.JPG


He ritt met sin Volk wier ut Engelland, do kümmt em de wilde Mann wier entgiergen un döt alle dat Volk wier in den Berg, un he geit wier up sien dreibeenige Perd sitten.

Er ritt mit seinem Volk wieder aus England, da kommt ihm der wilde Mann wieder entgegen und tut all das Volk wieder in den Berg, und er geht sich wieder auf sein dreibeiniges Pferd setzen.

Wild 22.JPG


Do segget de Luide: „Do kümmet usse Hunkepus wier an met dat dreibeenige Perd“, un se froget: „Wo hest du achter de Hierge lägen un hest schlopen?“ „Je“, segd he, „wenn ick der nig wör west, dann hädde et in Engelland nig gut gohn.“ Se segget: „Junge, schwieg stille, süs giv die de Heer wat up d'Jack.“

Da sagen die Leute: „Da kommt unser Hinkefuß wieder an mit dem dreibeinigen Pferd.“, und sie fragen: „Wo hast du hinter der Hecke gelegen und hast geschlafen?“ „Ja“, sagt er, wenn ich dort nicht gewesen wär, dann wär es in England nicht gut gegangen.“ Sie sagen: „Junge schweig stille, sonst gibt dir der Herr was auf d‘Jack.“

Wild 23.JPG


Un so genk et noh tweenmoel, un ton derdenmoel gewient he alles; do kreeg he en Stick in den Arm, do niermt de Kaiser sinen Dock un verbind em de Wunden. Do neidigt se em, he mög do bie ihnen bliewen. „Ne, ick bliewe nig bie ju, un wat ick sin, geit ju nig an.“

Und so ging es noch zweimal, und beim dritten Mal gewinnt er alles; da kriegt er einen Stich in den Arm, da nimmt der Kaiser sein Tuch und verbindet ihm die Wunde. Da nötigen sie ihn, er möge doch bei ihnen bleiben. „Ne, ich bleibe nicht bei euch, und was ich bin, geht euch nichts an.“

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Beitrag von Fredeswind » Fr Apr 03, 2020 12:31

Do kümmet em de wilde Mann wier entgiergen un deih alle dat Volk wier in den Berg, un he genk wier up sin Perd sitten un genk wier noh Hues. Do lachten de Luide un segden: „Do kümmt usse Hunkepus wier an, wo hest du doh lägen un schlopen?“ He segd: „Ick heve förwohr nig slopen, nu is ganz Engelland gewunnen, un et is en wohren Frerden .“

Da kommt ihm der wilde Mann wieder entgegen und tut all das Volk wieder in den Berg, und er geht sich wieder auf das dreibeinige Pferd setzen und geht wieder nach Hause. Da lachten die Leute und sagten: „Da kommt unser Hinkefuß wieder an, wo hast du gelegen und geschlafen?“ Er sagte: „Ich habe fürwahr nicht geschlafen, nun ist ganz England gewonnen, und es ist ein wahrer Frieden.“

Wild 25.JPG


Do segde de Kaiser von den schönen Ritter, de em hev biestohen; do segd de junge Mann to en Kaiser: „Wöre ick nig bie ju west, et wöre nig guet gahen.“ Do will de Kaiser em wat upn Buckel gierwen. „Ji“, segd he, „wenn ji dat nig gleiwen willt, will ick ju minen Arm wiesen.“

Da sagte der Kaiser von dem schönen Ritter, der ihm beigestanden hat; da sagt der junge Mann zu dem Kaiser: „Wäre ich nicht bei euch gewesen, es wäre nicht gutgegangen.“ Da will der Kaiser ihm was auf den Buckel geben. „Ihr“, sagt er, „wenn Ihr das nicht glauben wollt, will ich Euch meinen Arm zeigen.“

Wild 26.JPG


Un asse he den Arm wiest un asse de Kaiser de Wunde süt, do werr he gans verwündert un segd: „Viellicht büst du Gott sölvst ader en Engel, den mie Gott toschickt hev“, un bat em üm Verzeihnüs, dat he so grov met em handelt hädde, un schenket em sin ganse Kaisersgut.

Und als er den Arm zeigt und als der Kaiser die Wunde sieht, da wird er ganz verwundert und sagt: „Vielleicht bist du Gott selbst oder ein Engel, den mir Gott zugeschickt hat“, und bat ihn um Verzeihung, dass er so grob an ihm gehandelt hätte, und schenkt ihm sein ganzes Kaisergut.

Wild 27.JPG


Un de wilde Mann was erlöset un stund ase en grauten Künig för em un vertelde em de ganse Sacke.

Und der wilde Mann war erlöst und stand als ein großer König vor ihm und erzählte ihm die ganze Sache.

Wild 28.JPG


Un de Berg was en gans Künigsschloß, un he trock met sine Fru derup un lerweten vergnögt bis an eeren Daud.

Und der Berg war ein ganzes Königsschloss, und er zog mit seiner Frau darein und sie lebten vergnügt bis an ihren Tod.

Wild 29.JPG


ENDE
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Beitrag von Fredeswind » Di Mai 05, 2020 19:51

Liebe Märchenfreunde, :kavalier

leider gibt es diesen Monat kein neues Märchen für euch, hab mich in der letzten Zeit leider nur sporadisch mit Playmobil beschäftigen können und zum Fotografieren bin ich nicht wirklich gekommen. Aber ich bin dran, 4 von knapp 30 Bildern des Märchens habe ich schon länger mal aufgenommen. Heute habe ich erst einmal den halben Dachboden umgeräumt, um an ein bestimmtes Gebäude für mein nächstes Märchen zu kommen, das ich mir aus meiner Tochter Playmobilkistenecke leihen muss. Dann noch aufbauen, dann geht es hoffentlich wieder etwas vorwärts.
:gruebel Wenn ich, rein rechnerisch, jeden Tag ein Bild schaffe dann sollte es im Juni fertig sein. :pfeif
Bis dahin muss ich euch mit einer kurzen Sage der Brüder Grimm vertrösten.

LG von der Märchenfee Fredeswind :fee
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Fräulein von Boyneburg (Brüder Grimm)

Beitrag von Fredeswind » Di Mai 05, 2020 20:03

Fräulein von Boyneburg

(frei nach einer Sage der Brüder Grimm)


Auf eine Zeit lebten auf der Boyneburg drei Fräulein zusammen. Der jüngsten träumte in einer Nacht, es sei in Gottes Rat beschlossen, dass eine von ihnen im Wetter sollte erschlagen werden. Morgens sagte sie ihren Schwestern den Traum und als es Mittag war, stiegen schon Wolken auf, die immer größer und schwärzer wurden, also dass abends ein schweres Gewitter am Himmel hinzog und ihn bald ganz zudeckte und der Donner immer näher herbei kam.

Fräulein 1.JPG


Als nun das Feuer von allen Seiten herabfiel, sagte die älteste: „Ich will Gottes Willen gehorchen, denn mir ist der Tod bestimmt“, ließ sich einen Stuhl hinaustragen, saß draußen einen Tag und eine Nacht und erwartete, dass der Blitz sie träfe. Aber es traf sie keiner. Da stieg am zweiten Tage die zweite herab und sprach: „Ich will Gottes Willen gehorchen, denn mir ist der Tod bestimmt“; und saß den zweiten Tag und die zweite Nacht, die Blitze versehrten sie auch nicht, aber das Wetter wollte nicht fortziehen.

Fräulein 2.JPG


Da sprach die dritte am dritten Tage: „Nun seh ich Gottes Willen: dass ich sterben soll“, da ließ sie den Pfarrer holen, der ihr das Abendmahl reichen musste, dann machte sie auch ihr Testament und stiftete, dass an ihrem Todestage die ganze Gemeinde gespeist und beschenkt werden sollte. Nachdem das geschehen war, ging sie getrost hinunter und setzte sich nieder und nach wenigen Augenblicken fuhr auch ein Blitz auf sie herab und tötete sie.

Fräulein 3.JPG


Hernach als das Schloss nicht mehr bewohnt war, ist sie oft als ein guter Geist gesehen worden. Ein armer Schäfer, der all sein Hab und Gut verloren hatte und dem am andern Tage sein letztes sollte ausgepfändet werden, weidete an der Boyneburg, da sah er im Sonnenschein an der Schlosstüre eine schneeweiße Jungfrau sitzen.

Fräulein 4.JPG
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