Der Rollmops ist durchaus naheliegend, liebe Kerstin, wo ich doch vom Sternzeichen Hering bin und außerdem noch großer Loriot-Fan. "Ein Leben ohne (Roll)Mops ist möglich, aber sinnlos..."
LG Claas
Moderatoren: KlickyWelt-Team, Antler, KlickyWelt-Team
Der Rollmops ist durchaus naheliegend, liebe Kerstin, wo ich doch vom Sternzeichen Hering bin und außerdem noch großer Loriot-Fan. "Ein Leben ohne (Roll)Mops ist möglich, aber sinnlos..."
Oh, wie nett!
Espresso № 7
WOS DIA ANDAN WOIN - Teil ans
WAS DIE ANDEREN WOLLEN - Teil I
Roxbury, Boston, 28. November 1985 - Thanksgiving
Voaspü: Ich bin seit September 16. Ich habe den Führerschein, und ich bin mehr Vorzeigetochter, als mir lieb ist. Ich passe auf Cat und Gretchen auf, während Mum mit der Band VITUS etwas Neues aufbaut. Ich sehe die jungen Musiker aus Seattle. Ihr Stil: Harder! Faster! Louder! Mum gibt dem Ganzen ihre Stimme und die nötige Doom-Schwere.
Daneben studiert Mum auch noch Fotografie. Her Haven™ klebt immer noch an uns, vor allem wenn Ash nicht da ist. Aber mit Genugtuung bemerke ich, dass Mum wieder mehr wie sie selbst aussieht. Weniger gestepfordt und schwerer zu fassen.
Trish schreibt mir nicht mehr. Sie hat jetzt eine feste Freundin in Phoenix. Ich mache mit der Tanzschule weiter. Dort ist mein eigentliches Leben. Auch in Seattle ist die Aidskrise jetzt da. Namen verlöschen. Davor haben manche viel zu hell gestrahlt.
Am 13. Juli 1985 haben THE SUPERSONICS von Ash ihren Auftritt bei Live Aid in Philadelphia. Ich darf backstage mit dabei sein. Dann kommt die Einladung nach Boston: Thanksgiving 1985 bei Mums Eltern. Ash ist weiterhin auf Tour. Mum will erst nicht hin. Dann fliegen wir trotzdem: Mum, Cat, Gretchen und ich.
Föd 1: Mein Grandpa heißt Rev. Cyrus Gaines. Er hat einen eigenartigen Humor. Als wir sein Haus betreten, riecht er zuerst an mir und sagt: "Wiener Brioche." Dann riecht er an Cat und Gretchen. "Matze ..." Mum sagt nichts. Gekränkt ist sie trotzdem.
Grandpa Cyrus war im Zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg Militärgeistlicher. Danach hat er nicht den Glauben abgelegt, nur die Uniform. Jetzt ist er Geistlicher ohne Militär und wirkt trotzdem, als müsse alles vor ihm Haltung annehmen.
Zeige mit genau 3 Smileys, was du (als Mimi) wirklich von deinem Grandpa hältst. Wenn die Kombination glaubwürdig ist: 1 Feld vor. Wenn sie zu glatt oder zu eindeutig ist: An den Anfang zurück.
Föd 2: Meine Grandma heißt Dionne Gaines. Sie hat indigene und afroamerikanische Vorfahren. Sie stammt aus der Gegend von Montauk, an der Ostspitze von Long Island. Sie lässt andere reden. Sie weiß genau, wo es in der Familie krankt.
Ich helfe Grandma Dionne in der Küche. Dann drückt sie mir auf der Veranda ein kleines Votivbild in die Hand. Unter einem Kreuz, das lebendig wirkt, steht geschrieben: Vera Crux vivit – das wahre Kreuz lebt. "Heb es auf", sagt sie. Mehr nicht. Aber ich weiß, dass sie mir nicht bloß ein Bild gegeben hat.
Mit den Votivbildern ist das so eine Sache. Nenne 3 weitere Sagengestalten, die du im Laufe der KLICKYWELT-Rallye 2026: AUF GROSSER KAFFEEFAHRT 2 – Immer Ärger mit Mimi kennengelernt hast. Bekommst du alle drei zusammen: chapeau + 6 M&C's! Fallen dir nur zwei ein: 3 M&C's. Nur eine oder keine: leider nichts.
Föd 3: Uncle Elmo Gaines ist verheiratet. Er ist Bewährungshelfer für jugendliche Straftäter, ein Mann, der täglich mit Unordnung konfrontiert wird und trotzdem, ganz wie sein Vater, weiter an der Form festhält. Er ist freundlich zu mir, aber seltsam farblos. Als hätte seine tägliche Arbeit alles andere in ihm abgeschliffen. Er spricht nicht viel.
Seine Frau Lorraine Gaines ist das Gegenteil von ihm. Sie wirkt schillernd und farbenfroh, und man merkt sofort, dass sie die Hosen anhat. Kinder können sie keine bekommen, deshalb denken sie über Adoption nach. Vielleicht bringt Elmo einmal jemand aus seiner Arbeit mit. Ich drücke ihnen die Daumen.
Adoption eines jugendlichen Straftäters? Würfle.
⚀, ⚁ und ⚂: Du hältst die Idee für herzlich, aber riskant. Ein Feld zurück.
⚃, ⚄ und ⚅: Vielleicht ist genau so jemand dort besser aufgehoben als irgendwo sonst. Ein Feld vor.
Föd 4: Ich glaube, ich habe Aunt Stacy Gaines durchschaut. Sie ist das Nesthäkchen der Familie, die Tochter, die geschont wurde. Zu Thanksgiving bringt sie ihren neuen Freund mit zum Essen. Das hat sie schon öfter getan. Grandpa sieht den Neuen nicht einmal richtig an.
"Diesmal hält es bestimmt, Daddy", macht sie einen auf junge Tochter. Überhaupt gibt sie sich sehr jugendlich. Ich finde ihr Outfit etwas zu freizügig für das Essen und frage mich, wie viel Zeit sie investiert, damit ihr Körper so aussieht, wie er aussieht. Sie bringt keinen Mann mit. Sondern etwas zur Begutachtung.
Apropos Essen: Andere bringen Männer zur Begutachtung mit. Du bringst bitte ein ordentliches Menü mit. Wie sähe deine Wahl für ein mehrgängiges Thanksgiving-Essen aus? Pflicht: Vorspeise, Hauptgang, mindestens 2 Beilagen und Dessert. Alles beisammen: 6 M&C's. Etwas fehlt: 3 M&C's. Nur Truthahn a l l e i n e zählt nicht.
Föd 5: Auch das Paparazzibild am Jacuzzi kommt zu Thanksgiving zur Sprache. Ich halte es nicht aus. "Grandpa, es ist unmöglich, wie du mit Mum ins Gericht gehst. Sie hat lange genug gebüßt." Mum schüttelt unmerklich den Kopf. "Nicht." Ich gebe keine Ruhe.
"Soll sie sich ewig schämen für einen Moment, in dem sie glücklich war und der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war? Wie heißt es in Johannes 8,7? Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Grandpa Cyrus schweigt. Das reicht mir.
Als wir allein sind, legt Mum mir plötzlich die Hand an den Nacken und zieht mich zu sich. Diesmal lässt sie mich nicht gleich wieder los.
Später rauchst du auf der Veranda mit Grandpa die Friedenspfeife (Er: Zigarette; du: Zigarillo). Würfle.
⚀ und ⚁: Er sagt kein Wort mehr, und du merkst, dass Schweigen auch ein Urteil sein kann. 1 Feld zurück.
⚂ und ⚃: Er nickt nur in Richtung deines Zigarillos und sagt: „Live-Aid? QUEEN STOLE THE WHOLE SHOW.“ Du weißt nicht, ob das Trost ist oder Ablenkung. Stehenbleiben.
⚄ und ⚅: Er reicht dir wortlos Feuer. Fast wäre das etwas wie Frieden. Aber eben nur fast. Trotzdem: Rücke 1 Feld vor
Föd 6: Ich soll zum Laden an der Ecke fahren und Grandpa Cyrus Zigaretten holen. Es gibt Streit darum, dass ausgerechnet ich fahren soll. Mum sagt: "Nein." Grandpa Cyrus sagt: "Doch." Ich nehme Cat und Gretchen mit und verlasse das Haus. Das Auto, ein großer, schwerer Amischlitten, steht seitlich in der Einfahrt.
Als wir zurückkommen, wollen Cat und Gretchen meine Hände gar nicht mehr loslassen. Sie sind ganz still. "Deine Zigaretten, Grandpa." Grandpa Cyrus sieht mich an. "Ja, an mir klebt Blut", sage ich. "Keine Sorge. Das ist nicht unser Blut ..."
Nochspü: Am SEATAC steht Ash schon da, bevor wir ganz durch sind. Er nimmt Mum ins Visier. "Die drei hätten draufgehen können", sagt er. "Dein Her Haven™ hat sie jedenfalls nicht geschützt." "Jetzt hör aber auf", fahre ich ihn an. "Mum trägt keine Schuld!"
Wieder zu Hause drückt mir Ash die Schlüssel von seinem 1969er Dodge Charger R/T 440 triple black in die Hand. Nummernschild: BEAST. "Das Biest ist jetzt deins", sagt er. "Ich kann ohnehin nicht fahren. Und irgendwer muss dir jetzt endlich mal danken."
Dann, in Mums Richtung: "Her Haven™ kommt mir nicht mehr ins Haus." "Wer sagt das?" "Ich sage das." Für einen Augenblick funkeln Mums Augen angriffslustig. "Die brauchst du nicht mehr. Die hast du noch nie gebraucht."
"Während ihr alle weg wart, habe ich mir die Probeaufnahmen von VITUS angehört." "Du hast was? Aber das war noch roh, nicht fertig." "Das ist egal. Ich bin stolz auf dich. Du hast etwas Einzigartiges geschaffen." In dieser Nacht brannte das Bett von Mum und Ash ...
Ich betrachte derweil die Mitbringsel aus Boston. Darunter auch ein Foto von Grandpa Cyrus aus Wien, vom Ende des Zweiten Weltkriegs. Neben ihm eine Österreicherin. Man sieht ihr die Entbehrungen an. Trotzdem wirken die beiden, als hätten sie für einen Moment Frieden gefunden. Ich höre ihn noch sagen: "Das braucht niemand zu wissen, Mimi!"
Kaffee?
𝕬𝖋𝖗𝖆 𝕬𝖉𝖔𝖑𝖊𝖘𝖈𝖊𝖓𝖙𝖎𝖆 𝖌𝖊𝖓 𝕴𝖘𝖙𝖆𝖓𝖇𝖚𝖑
Man erzählt sich im Mostviertel, droben gegen St. Aegyd hin, dass im Türkenjahr 1529 nicht nur Dörfer brannten und Reiter durch die Täler jagten, sondern dass damals auch zwei Dinge voneinander gerissen wurden, die nicht hätten getrennt werden dürfen: 𝕬𝖋𝖗𝖆 𝕬𝖉𝖔𝖑𝖊𝖘𝖈𝖊𝖓𝖙𝖎𝖆 vom Weg. 𝕬𝖊𝖌𝖎𝖉𝖎𝖚𝖘 𝕮𝖎𝖘𝖘𝖎𝖑𝖛𝖆𝖓𝖚𝖘 aus seinem Schlaf.
Afra war keine Frau wie andere. Sie hielt Wache bei der Krypta, tief im Fels, wo die Erde nichts vergisst. Dort lag Aegidius, gebunden, nicht tot und nicht wach, und keiner sollte an ihn rühren. Aber in jenen Tagen kamen osmanische Reiter ins Land. Sie nahmen Afra, entwaffneten sie und sahen bald, dass sie nicht war wie andere Beute. Da beschlossen sie, sie zu ordnen.
Sie wuschen ihr Blut vom Leib, salbten sie und machten sie still. Sie zwangen ihre Füße in hohe Schuhe aus Holz, dass sie nicht mehr frei gehe, sondern gehört werde. Und wenn sie ging, hieß es nur noch: Qab. Qab. Qab. Qab.
Sie verhüllten sie und setzten sie in eine geschlossene Maultier-Sänfte. So zog der Tross dahin. Einer hob den Vorhang und sah zu viel. Man schlug ihm den Kopf ab und legte ihn in Honig, damit er unverdorben an der Hohe Pforte ankomme.
Doch dreimal geriet der Zug aus seinem Tritt:
Beim ersten Mal kam in der Nacht eine Stumme. Sie sprach kein Wort, aber ihre Hände wussten, was zu tun war. Sie schnitt Afra die Fesseln durch. Weit kam sie nicht. Noch ehe der Morgen recht da war, hatte man sie wieder eingefangen. Die Stumme aber war tot, bevor der Tag ganz hell wurde.
Beim zweiten Mal fuhr ein Unwetter in den Zug. Wege brachen auf, Tiere gingen durch, und für einen Augenblick schien alles offen. Doch auch das war nur Aufschub.
Beim dritten Mal neigte sich das Schicksal anders. Irgendeine Hand, von der niemand sagen kann, wem sie gehörte, steckte Afra eine Waffe zu. Afra griff zu, tötete, was ihr im Weg stand, und verschwand im Sturm, noch ehe man sie weiterbringen konnte. Seither weiß keiner mit Gewissheit, wohin sie ging.
Die einen sagen: heim. Die anderen: hinunter. Und die Dritten sagen nichts.