Der Rollmops ist durchaus naheliegend, liebe Kerstin, wo ich doch vom Sternzeichen Hering bin und außerdem noch großer Loriot-Fan. "Ein Leben ohne (Roll)Mops ist möglich, aber sinnlos..."
LG Claas
Moderatoren: KlickyWelt-Team, Antler, KlickyWelt-Team
Der Rollmops ist durchaus naheliegend, liebe Kerstin, wo ich doch vom Sternzeichen Hering bin und außerdem noch großer Loriot-Fan. "Ein Leben ohne (Roll)Mops ist möglich, aber sinnlos..."
Oh, wie nett!
Espresso № 7
WOS DIA ANDAN WOIN
WAS DIE ANDEREN WOLLEN
Mission Hill, Boston, 28. November 1985 - Thanksgiving
Voaspü: Ich bin 16 und in der 10. Klasse (Sophomore). Seit September habe ich den Führerschein, und ich bin mehr Vorzeigetochter, als mir lieb ist. Ich passe auf Cat und Gretchen auf, während Mum mit der Band VITUS etwas Neues aufbaut. Ich sehe die jungen Musiker aus Seattle. Ihr Stil: Harder! Faster! Louder! Mum gibt dem Ganzen ihre Stimme und die nötige Doom-Schwere.
Daneben studiert Mum auch noch Fotografie. Her Haven™ klebt immer noch an uns, vor allem wenn Ash nicht da ist. Aber mit Genugtuung bemerke ich, dass Mum wieder mehr wie sie selbst aussieht. Weniger gestepfordt und schwerer zu fassen.
Trish schreibt mir nicht mehr. Sie hat jetzt eine feste Freundin in Phoenix. Ich mache mit der Tanzschule weiter. Dort ist mein eigentliches Leben. Auch in Seattle ist die Aidskrise jetzt da. Namen verlöschen. Davor haben manche viel zu hell gestrahlt.
Am 13. Juli 1985 haben THE SUPERSONICS von Ash ihren Auftritt bei Live Aid in Philadelphia. Ich darf backstage mit dabei sein. Dann kommt die Einladung nach Boston: Thanksgiving 1985 bei Mums Eltern. Ash ist weiterhin auf Tour. Mum will erst nicht hin. Dann fliegen wir trotzdem: Mum, Cat, Gretchen und ich.
Föd 1: Mein Grandpa heißt Rev. Cyrus Gaines. Er hat einen eigenartigen Humor. Als wir sein Haus betreten, riecht er zuerst an mir und sagt: "Wiener Brioche." Dann riecht er an Cat und Gretchen. "Matze ..." Mum sagt nichts. Gekränkt ist sie trotzdem.
Grandpa Cyrus war im Zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg Militärgeistlicher. Danach hat er nicht den Glauben abgelegt, nur die Uniform. Jetzt ist er Geistlicher ohne Militär und wirkt trotzdem, als müsse alles vor ihm Haltung annehmen.
Zeige mit genau 3 Smileys, was du (als Mimi) wirklich von deinem Grandpa hältst. Wenn die Kombination glaubwürdig ist: 1 Feld vor. Wenn sie zu glatt oder zu eindeutig ist: An den Anfang zurück.
Föd 2: Meine Grandma heißt Dionne Gaines. Sie hat indigene und afroamerikanische Vorfahren. Sie stammt aus der Gegend von Montauk, an der Ostspitze von Long Island. Sie lässt andere reden. Sie weiß genau, wo es in der Familie krankt.
Ich helfe Grandma Dionne in der Küche. Dann drückt sie mir auf der Veranda ein kleines Votivbild in die Hand. Unter einem Kreuz, das lebendig wirkt, steht geschrieben: Vera Crux vivit – das wahre Kreuz lebt. "Heb es auf", sagt sie. Mehr nicht. Aber ich weiß, dass sie mir nicht bloß ein Bild gegeben hat.
Mit den Votivbildern ist das so eine Sache. Nenne 3 weitere Sagengestalten, die du im Laufe der KLICKYWELT-Rallye 2026 kennengelernt hast. Bekommst du alle drei zusammen: chapeau + 6 M&C's! Fallen dir nur zwei ein: 3 M&C's. Nur eine oder keine: leider nichts.
Föd 3: Uncle Elmo Gaines ist verheiratet. Er ist Bewährungshelfer für jugendliche Straftäter, ein Mann, der täglich mit Unordnung konfrontiert wird und trotzdem, ganz wie sein Vater, weiter an der Form festhält. Er ist freundlich zu mir, aber seltsam farblos. Als hätte seine tägliche Arbeit alles andere in ihm abgeschliffen. Er spricht nicht viel.
Seine Frau Lorraine Gaines ist das Gegenteil von ihm. Sie wirkt schillernd und farbenfroh, und man merkt sofort, dass sie die Hosen anhat. Kinder können sie keine bekommen, deshalb denken sie über Adoption nach. Vielleicht bringt Elmo einmal jemand aus seiner Arbeit mit. Ich drücke ihnen die Daumen.
Adoption eines jugendlichen Straftäters? Würfle.
⚀, ⚁ und ⚂: Du hältst die Idee für herzlich, aber riskant. Ein Feld zurück.
⚃, ⚄ und ⚅: Vielleicht ist genau so jemand dort besser aufgehoben als irgendwo sonst. Ein Feld vor.
Föd 4: Ich glaube, ich habe Aunt Stacy Gaines durchschaut. Sie ist das Nesthäkchen der Familie, die Tochter, die geschont wurde. Zu Thanksgiving bringt sie ihren neuen Freund mit zum Essen. Das hat sie schon öfter getan. Grandpa sieht den Neuen nicht einmal richtig an.
"Diesmal hält es bestimmt, Daddy", macht sie einen auf junge Tochter. Überhaupt gibt sie sich sehr jugendlich. Ich finde ihr Outfit etwas zu freizügig für das Essen und frage mich, wie viel Zeit sie investiert, damit ihr Körper so aussieht, wie er aussieht. Sie bringt keinen Mann mit. Sondern etwas zur Begutachtung.
Apropos Essen: Andere bringen Männer zur Begutachtung mit. Du bringst bitte ein ordentliches Menü mit. Wie sähe deine Wahl für ein mehrgängiges Thanksgiving-Essen aus? Pflicht: Vorspeise, Hauptgang, mindestens 2 Beilagen und Dessert. Alles beisammen: 6 M&C's. Etwas fehlt: 3 M&C's. Nur Truthahn a l l e i n e zählt nicht.
Föd 5: Auch das Paparazzibild am Jacuzzi kommt zu Thanksgiving zur Sprache. Ich halte es nicht aus. "Grandpa, es ist unmöglich, wie du mit Mum ins Gericht gehst. Sie hat lange genug gebüßt." Mum schüttelt unmerklich den Kopf. "Nicht." Ich gebe keine Ruhe.
"Soll sie sich ewig schämen für einen Moment, in dem sie glücklich war und der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war? Wie heißt es in Johannes 8,7? Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Grandpa Cyrus schweigt. Das reicht mir.
Als wir allein sind, legt Mum mir plötzlich die Hand an den Nacken und zieht mich zu sich. Diesmal lässt sie mich nicht gleich wieder los.
Später rauchst du auf der Veranda mit Grandpa die Friedenspfeife (Er: Zigarette; du: Zigarillo). Würfle.
⚀ und ⚁: Er sagt kein Wort mehr, und du merkst, dass Schweigen auch ein Urteil sein kann. 1 Feld zurück.
⚂ und ⚃: Er nickt nur in Richtung deines Zigarillos und fragt: "Du warst bei Live Aid?" Du nickst. Du weißt aber nicht, ob das Trost ist oder Ablenkung. Stehenbleiben. +++ LIVE AID: QUEEN STOLE THE WHOLE SHOW +++
⚄ und ⚅: Er reicht dir wortlos Feuer. Fast wäre das etwas wie Frieden. Aber eben nur fast. Trotzdem: Rücke 1 Feld vor.
Föd 6: Ich soll zum Laden an der Ecke fahren und Grandpa Cyrus Zigaretten holen. Es gibt Streit darum, dass ausgerechnet ich fahren soll. Mum sagt: "Nein." Grandpa Cyrus sagt: "Doch." Ich nehme Cat und Gretchen mit und verlasse das Haus. Das Auto, ein großer, schwerer Amischlitten, steht seitlich in der Einfahrt.
Als wir zurückkommen, wollen Cat und Gretchen meine Hände gar nicht mehr loslassen. Sie sind ganz still. "Deine Zigaretten, Grandpa." Grandpa Cyrus sieht mich an. "Ja, an mir klebt Blut", sage ich. "Keine Sorge. Das ist nicht unser Blut ..."
Bild: CC BY-SA 3.0. Urheber: Squelle.
Nochspü: Am SEATAC steht Ash schon da, bevor wir ganz durch sind. Er nimmt Mum ins Visier. "Die drei hätten draufgehen können", sagt er. "Dein Her Haven™ hat sie jedenfalls nicht geschützt." "Jetzt hör aber auf", fahre ich ihn an. "Mum trägt keine Schuld!"
Wieder zu Hause drückt mir Ash die Schlüssel zu seinem schwarzen 1969 Dodge Charger R/T mit 440 Magnum Big Block in die Hand. Nummernschild: BEAST. "Das Biest ist jetzt deins", sagt er. "Ich kann ohnehin nicht fahren. Und irgendwer muss dir endlich mal danken."
Dann, in Mums Richtung: "Her Haven™ kommt mir nicht mehr ins Haus." "Wer sagt das?" "Ich sage das." Für einen Augenblick funkeln Mums Augen angriffslustig. "Die brauchst du nicht mehr. Die hast du noch nie gebraucht."
"Während ihr alle weg wart, habe ich mir die Probeaufnahmen von VITUS angehört." "Du hast was? Aber das war noch roh, nicht fertig." "Das ist egal. Ich bin stolz auf dich. Du hast etwas Einzigartiges geschaffen." In dieser Nacht brannte das Bett von Mum und Ash ...
Ich betrachte derweil die Mitbringsel aus Boston. Darunter auch ein Foto von Grandpa Cyrus aus Wien, vom Ende des Zweiten Weltkriegs. Neben ihm eine Österreicherin. Man sieht ihr die Entbehrungen an. Trotzdem wirken die beiden, als hätten sie für einen Moment Frieden gefunden. Ich höre ihn noch sagen: "Das braucht niemand zu wissen, Mimi!"
Espresso?
AFRA ADOLESCENTIA GEN ISTANBUL
Man erzählt sich im Mostviertel, droben gegen St. Aegyd hin, dass im Türkenjahr 1529 nicht nur Dörfer brannten und Reiter durch die Täler jagten, sondern dass damals auch zwei Dinge voneinander gerissen wurden, die nicht hätten getrennt werden dürfen: Afra Adolescentia vom Weg. Aegidius Cissilvanus aus seinem Schlaf.
Afra war keine Frau wie andere. Sie hielt Wache bei der Krypta, tief im Fels, wo die Erde nichts vergisst. Dort lag Aegidius, gebunden, nicht tot und nicht wach, und keiner sollte an ihn rühren. Aber in jenen Tagen kamen osmanische Reiter ins Land. Sie nahmen Afra, entwaffneten sie und sahen bald, dass sie nicht war wie andere Beute. Da beschlossen sie, sie zu ordnen.
Sie wuschen ihr Blut vom Leib, salbten sie und machten sie still. Sie zwangen ihre Füße in hohe Schuhe aus Holz, dass sie nicht mehr frei gehe, sondern gehört werde. Und wenn sie ging, hieß es nur noch: Qab. Qab. Qab. Qab.
Sie verhüllten sie und setzten sie in eine geschlossene Maultier-Sänfte. So zog der Tross dahin. Einer hob den Vorhang und sah zu viel. Man schlug ihm den Kopf ab und legte ihn in Honig, damit er unverdorben an der Hohe Pforte ankomme.
Doch dreimal geriet der Zug aus seinem Tritt:
Beim ersten Mal kam in der Nacht eine Stumme. Sie sprach kein Wort, aber ihre Hände wussten, was zu tun war. Sie schnitt Afra die Fesseln durch. Weit kam sie nicht. Noch ehe der Morgen recht da war, hatte man sie wieder eingefangen. Die Stumme aber war tot, bevor der Tag ganz hell wurde.
Beim zweiten Mal fuhr ein Unwetter in den Zug. Wege brachen auf, Tiere gingen durch, und für einen Augenblick schien alles offen. Doch auch das war nur Aufschub.
Beim dritten Mal neigte sich das Schicksal anders. Irgendeine Hand, von der niemand sagen kann, wem sie gehörte, steckte Afra eine Waffe zu. Afra griff zu, tötete, was ihr im Weg stand, und verschwand im Sturm, noch ehe man sie weiterbringen konnte. Seither weiß keiner mit Gewissheit, wohin sie ging.
Die einen sagen: heim. Die anderen: hinunter. Und die Dritten sagen nichts.
Mimi erzählt:
Espresso № 8
DAUNZBOA
TANZBAR
Mercer Island, 17. September 1986 – 1. Januar 1987
+++ SOVIETS REPORT NUCLEAR ACCIDENT: RADIATION CLOUD SWEEPS NORTHERN EUROPE; TERMED NOT THREATENING +++
Voaspü: Der unerfreuliche Vorfall in Boston hat mir zu einem Auto verholfen - oder besser gesagt: zu einem Geschoss, mit dem ich erst einmal umgehen lernen muss. Tito hilft mir dabei. Ich frage mich manchmal, was er eigentlich nicht kann, mein Ratgeber in allen Lebenslagen. Es ist ein großes Glück, ihn als Freund zu haben.
Tito ist es auch, der mir von einem Freestyle-Tanzturnier erzählt, das zu Neujahr 1987 im Olympic Hotel stattfinden soll. Señor Ruiz rümpft darüber nur die Nase. Tito möchte, dass wir beide dort antreten. Ich habe berechtigte Zweifel. Das ist eine völlig andere Nummer. Bisher tanzte ich hauptsächlich Tango Argentino, kubanische Salsa und Wiener Walzer. Trotzdem beginnen wir mit dem Training.
Nach den Ferien - es ist mein Junior-Jahr an der High School - kommt ein neues Mädchen an unsere Schule. Sie heißt Ira Slocum. Schon bald warnen mich die ersten vor ihr. Sie meinen es nur gut. Ich schlage alle Warnungen in den Wind und laufe geradewegs ins Verderben. Viel zu lange beschäftige ich mich mit Ira. Und viel zu sehr verliere ich darüber Chris aus den Augen.
Als ich zum ersten Mal mit dem Wagen an der High School aufkreuzte, war mir klar, was passieren würde. Von da an würde ich für viele nicht mehr Mimi sein, sondern nur noch das Mädchen mit DEM Auto. Also hatte ich mein Outfit passend nach Tante Stacys Vorbild zusammengestellt. Ein Auto als Ansage verlangte schließlich auch ein Outfit als Ansage - gerade noch dress-code-tauglich. Und dann waren da noch die Tests fürs College ...
Zu meinem 17. Geburtstag habe ich Tito und Señor Ruiz zu uns nach Hause eingeladen. Ira auch. Sie kommt nicht. Edda und Gianni spielen an dem Abend nur eine Nebenrolle. Mum macht ein Foto von mir am Steuer, mit dem neuen Kennzeichen: H O R N E T. Ich trage ein knappes Minikleid und sehe aus, als wüsste ich genau, was ich tue. Dass es so wirkt, ist vor allem Tito zu verdanken. Das Bild werde ich Chris schicken.
Föd 1 - II Die Hohepriesterin: Im Kunstunterricht sitzen Ira und ich nebeneinander. Es interessiert mich nicht, wie gut sie in dem Fach ist. Hauptsache, sie sitzt neben mir. Nach dem Unterricht frage ich sie, ob sie mir Modell stehen will. Ich denke dabei vor allem an Beth ...
Bei ihr zuhause setzt Ira sich in Szene. Und sie macht die Regeln. Das Haus ihrer Eltern ist groß. Es schüchtert mich ein. Ihre Schwester - eine jüngere Ausgabe von ihr - macht mir auf. "Ira wartet schon auf dich." Ich werde zu ihr vorgelassen. Ira sitzt in ihrem Zimmer, im Jogginganzug, auf ihrem Sofa drapiert.
22. September - Herbstanfang. Beim Tanztraining stehst du noch ganz am Anfang. Nenne 3 Dinge, die du zu Beginn noch lernen musst. Hast du 3 passende Antworten parat? Gut, dann rücke 1 Feld vor.
Föd 2 - I Der Magier: Ira liest viel. Sie borgt mir Bücher wie Herland von Charlotte Perkins Gilman oder welche über das Astralleibreisen. In den Sommerferien war sie in Paris. Dort hat ihr eine Wahrsagerin die Karten gelegt. Also lerne ich jetzt auch, wie man Tarotkarten legt. Ich mache mit Ira Gläserrücken. Auch Lilith begegnet mir plötzlich überall - als Figur, als Zeichen, als Symbol eines jüdischen Feminismus.
Weil ich so viel Zeit bei Ira verbringe, werde ich später im Jahrbuch als Iras Privatsekretärin tituliert. Nett ist das nicht. Ebenso wenig wie der Satz, ich sei der spezielle Ösi-Witz des Tages. Mit meiner augenblicklichen Lage bin ich alles andere als zufrieden. Zum Glück habe ich Señor Ruiz und Tito. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie ich ohne die beiden dastünde.
Halloween ist die Zeit der Masken. Auf der Tanzfläche zählt aber, was hinter den Larven steckt. Zeige mit 3 Smileys, wie du dich beim Tanzen wirklich fühlst.
3 Smileys = 3 M&C's. So einfach ist das.
Föd 3 - XV Der Teufel: Ira und ich haben uns spätabends im Birdy's Paradise verabredet. Wir sitzen nebeneinander auf einer Bank am Lake Washington, und sie erzählt von sich und davon, wie unreif sie die meisten Schüler unserer Klassenstufe findet. Dann sagt sie mir, dass sie einen Freund hat, und es zieht mir den Boden unter den Füßen weg. Wusste ich das nicht, oder hatte ich es schlicht verdrängt?
Ich überlege, was das für mich heißt. Einen Freund. Natürlich einen Freund. Einmal sehe ich ihn sogar, als er Ira von der Schule abholt. Er ist gutaussehend. Zu gutaussehend. Und er schminkt sich. Als Ira dann auch noch sagt: "Ich möchte von vielen geliebt werden", trifft mich das sehr.
Thanksgiving ist, wie wir bereits erlebt haben, ein Fest der prüfenden Blicke. Auch beim Tanzen musst du lernen, Druck standzuhalten. Würfle.
⚀ und ⚁: Der Druck von außen kommt dir in die Quere. Danke für deine Ehrlichkeit: 3 M&C’s und 1 Feld zurück.
⚂ und ⚃: Du hältst Haltung und findest in den Takt zurück. Bravo! Rücke 2 Felder vor.
⚄ und ⚅: Du tanzt, als könnte dich heute nichts aus dem Gleichgewicht bringen. Das glaube ich dir nicht: 1 Feld zurück.
Föd 4 – XVI Der Turm: Ich erfahre, dass Ira einen Unfall gebaut hat und ihr Auto nur noch Schrott ist. Sie tut mir leid. Ich stelle mir sofort vor, dass ihr Vater, Waylon Slocum III, sehr streng ist und sie zur Schnecke gemacht hat. Also besorge ich Blumen und fahre zu ihr. Ich will sie aufheitern. Ich rechne mit einer zerknirschten Ira.
Wieder macht mir ihre Schwester auf. Ira ist schon auf dem Sprung zum Babysitten. Von einer am Boden zerstörten Ira keine Spur. "War ohnedies ein altes Auto." Ihr Vater kauft ihr ein neues. Die Blumen würdigt sie kaum eines Blickes.
Weihnachten ist die Zeit der Wünsche. Denke dir einen kurzen Satz aus (max. 12 Wörter), der dich kurz vor dem Tanzturnier aufbaut. Schneidet und trägt er zugleich: 1 Feld vor.
Föd 5 – VII Der Wagen: Am 26. Dezember hat Ira Geburtstag. Ich bleibe, bis auch der letzte Gast gegangen ist. Ihren Freund hat sie erst vor kurzem in den Wind geschossen. Besonders angegriffen wirkt sie nicht. Ich helfe ihr beim Abwasch.
Danach geht es ihr nicht gut. Sie hat sich in ihr Bett gelegt, und ich sitze neben ihr. Ich halte ihre Hände. Einfach so. "Weißt du, ich bin noch Jungfrau", sagt sie. Dann schläft sie auch schon ein. Für einen kurzen Moment reicht mir das.
Hanukkah bedeutet Licht im Dunkel. Nenne 2 Personen, die für Mimi in diesem Espresso ein solches Licht sind und ihr helfen, nicht ganz den Kurs zu verlieren. Für 2 passende Antworten mit Begründung bekommst du 6 M&C's.
Föd 6 – XI Die Kraft: New Year's Day - der Tag des Tanzturniers ist da. Ich bin mächtig aufgeregt. Dass Ash und Mum im Publikum sitzen, macht die Sache nicht gerade einfacher. Tito sprüht wie immer vor Zuversicht. "Denk dran, Cielito lindo: Du tust es nicht für die Menschen am Rand der Tanzfläche. Du tust es auch nicht für die Jury. Du tust es für dich."
Den Rest erlebe ich - mal wieder - wie in Trance. Ich konzentriere mich auf die Musik und auf Tito. Alles andere blende ich aus. Erst der Applaus holt mich zurück. Tito nickt mir zu und führt mich zum Rand der Fläche. Ich fühle mich leicht, als wäre alle Last von mir abgefallen. "Ich bin sehr stolz auf dich!", strahlt Ash. Und Mum nimmt mich lange in die Arme.
Ira ist nicht gekommen. Ich hatte es trotzdem bis zuletzt gehofft.
Bild: CC BY-SA 2.0. Urheber: IAEA Imagebank - 02790015.
Nochspü: Die Ergebnisse der Collegetests kommen. Ich habe besser abgeschnitten, als mir lieb ist. So gut, dass plötzlich Namen fallen, die vorher nach Größenwahn geklungen hätten. Die nächste Prüfung. Mit einem Mal bin ich etwas, das man empfehlen, weiterreichen oder ausstellen kann. Und noch etwas: Edda und Gianni werden inzwischen meist zusammen genannt.
Mit VITUS kippt bei Mum etwas zurück an seinen Platz. Aus der Disco-Queen Ebony wird keine nettere Ausgabe ihrer selbst, sondern eine härtere. VITUS klingt schwer, langsam und unerfreulich. Und je klarer der Stil wird, desto mehr wird auch Mum wieder sie selbst.
Ich verlasse Iras Umlaufbahn. Nicht mit einem Knall. Nicht aus Rache. Einfach dadurch, dass ich aufhöre, mich zurückzunehmen. Die Bücher kommen in eine Schublade. Nicht weg. Nur außer Reichweite. Aus dem Roadtrip, den Ira und ich einmal für das Ende unserer High-School-Zeit geplant haben, wird am Ende etwas völlig Neues.
Ira hatte die Idee. Ich werde fahren. Und irgendwo ist noch Chris. Zu weit weg. Immer noch. Das Gemeine an diesem Jahr ist: Ich verdrehe allen den Kopf. Nur meinen eigenen nicht. Den hat Ira mir verdreht. Her Haven™ ist noch nicht erledigt. Aber gefühlt liegt es hinter mir.
Espresso?
ST. AEGYDIUS, ODER: DER ANTLER
Man erzählt sich im Mostviertel, droben gegen St. Aegyd hin, dass im Türkenjahr 1529 nicht nur Feuer durch die Täler ging, sondern dass damals auch der Schlaf eines Alten gebrochen wurde, der nicht hätte angetastet werden dürfen.
Tief im Fels, in der Krypta bei St. Aegyd, lag Aegidius Cissilvanus. Er lag dort nicht wie andere Tote. Nicht verwest. Nicht wach. Nicht fort. Die Alten sagten, er sei gebunden gewesen, gehalten zwischen Gruft und Wiederkehr, und niemand dürfe an ihn rühren.
Solange die Krypta bewacht war, blieb auch alles an seinem Ort. Doch in jenen Tagen geriet das Land aus seinem Tritt. Wege wurden unsicher. Wachen fielen fort. Und so kam es, dass die Krypta offenstand.
Es kamen keine frommen Pilger. Es kamen auch keine Trauernden. Es kamen solche, die im Leib eines Menschen schon den Gegenstand sahen, den man aus ihm machen konnte. Sie fanden Aegidius Cissilvanus. Reglos lag er da, ohne sichtbaren Atem und doch nicht tot. Da wussten sie, dass sie keinen gewöhnlichen Toten vor sich hatten.
Man sagt, sie seien erst leise gewesen. Fast ehrfürchtig. Denn auch sie merkten, dass an diesem Ort etwas lag, das älter war als ihr Vorhaben. Aber Ehrfurcht hält nicht lang bei denen, die schon rechnen.
Sie banden ihn, hüllten ihn ein und trugen ihn fort. Nur bei Nacht brachten sie ihn weiter. Bei Tag verbargen sie ihn. Niemand sollte sehen, was da über die Wege ging.
Manche sagen, einer habe unterwegs gesehen, dass sich seine Lider regten. Andere behaupten, seine Hände hätten sich im Tuch verschoben, als wolle etwas darin den Schlaf abschütteln. Doch keiner sprach es laut aus. Denn was man nicht benennt, lässt sich leichter verladen.
So brachten sie ihn nach Mariazell, dorthin, wo man ordnet, was nicht so bleiben soll, wie es ist. Dort fragte keiner mehr, wie man ihn bewahre. Man fragte nur noch, was aus ihm werde. Man legte ihn frei, prüfte ihn und nahm Maß. Dann schloss man die Tür. Was dahinter geschah, erzählt man nicht bei Tageslicht.
Als man wieder öffnete, war Aegidius Cissilvanus nicht mehr derselbe. Aus dem Leib war ein Bestand geworden. Aus dem Schlafenden ein Heiliger. Aus dem Namen eine Form: St. Aegydius.
Doch das Alte wich nicht ganz. Unter Gold und Glas blieb etwas zurück, das sich nicht glätten ließ. Etwas aus Gruft und Wald. Etwas Trockenes. Etwas, das keinen sanften Heiligenschein trägt.
Darum nennen ihn manche bis heute, wenn sie leise sprechen: den Antler.
Und darum heißt es im Mostviertel, dass die Krypta bei St. Aegyd nicht leer ist, auch wenn dort längst ein anderer Name verehrt wird. Denn was man damals forttrug, kam nicht ungebrochen zurück. Und wenn nachts auf Stein etwas geht, trocken und hohl, als käme es nicht von dieser Seite, dann sagen die Alten nicht, es sei nur der Wind.
Dann sagen sie: Das Land erinnert sich. Und Aegidius Cissilvanus schläft noch immer nicht recht.