pipejoe hat geschrieben: ↑Samstag 4. April 2026, 14:28
Ich habe mal an den Anfang geschaut.
Erinnert Ihr Euch noch?
Zitat: "Ich glaube, wir stehen kurz vor einer Ankündigung, die PLAYMOBIL-Fans erschüttern wird, das Ende von Geobra (oder sein Verkauf)! Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass dem neuen blutsaugenden Vorstand die Mitarbeiter und vor allem die Zukunft des Unternehmens egal sind."
Das war knapp vor 4 Jahren.
Damals wollte ich es nicht glauben, aber der Artikel im Spiegel bestätigt das nun mehr oder weniger.
Traurige Zeiten.
Das hatte ich auch mehrfach getan. Wie gesagt: Es waren prophetische Worte.
Der Spiegel-Artikel bezieht sich darauf, daß HOB über die Jahre mehrfach sein Testament geändert hat. Jedesmal mehr zu Gunsten von Frau Albert.
Ursprünglich sollte es eine "monatliche Zusatzrente" sein, ein paar Jahre später wurde daraus "Leiterin der Personalabteilung und Gastronomie des Playmobil-Freizeitparks", dann eine der Testamentsvollstreckerinnen. Das Resultat war "Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Kinderförderung, Beiratsvorsitzende der Brandstätter Unternehmensstiftung und Beiratsvorsitzende der Horst Brandstätter Holding" (und somit mächtigsten Person im Playmobil-Imperium).
Einerseits war HOB zu diesem Zeitpunkt in einem Alter, in dem Senioren auf Enkeltricks hereinfallen und ihr Vermögen dem Nächstbesten gutgläubig übereignen. Andererseit ist es natürlich sein Vermögen und er könnte es genauso gut auch im Ofen verbrennen.
Der Sohn geht irgendwann zur Polizei, stellt Strafanzeige wegen "Untreue, Urkundenfälschung und Bestechlichkeit".
Hatte vielleicht nicht (mehr) das beste Verhältnis zum Vater (und umgekehrt), man weiß allerdings nicht, was im Laufe der Jahre passiert ist, wer wen wie beeinflußt hat, wer in welcher Beziehung zu wem steht, ob neben den Nebenwirkungen des Alters noch Nebenwirkungen von Medikamenten im Spiel waren und inwieweit überhaupt noch die Geschäftstüchtigkeit gegeben war. Davon abgesehen ist es unglaublich schwer, einen senilen Menschen für geschäftsuntüchtig zu erklären.
Wer zur Polizei geht, tut dies in der überwiegenden Zahl der Fälle als Opfer einer Straftat. Das wird jeder erfahrene Ermittler bestätigen.
Was sich beweisen läßt und was die Staatsanwaltschaft aus einer Anzeige macht, ist eine andere Sache. Falls einem Mann vor anderen Menschen beim Reden die Tränen in die Augen steigen, liegt höchstwahrscheinlich ein trifftiger Grund vor.
Gerade nach dem Tod ist es sehr schwer, rückwirkend die Dinge zu beweisen, insbesondere dann, wenn man in der Beweispflicht ist.
Der Spiegel schreibt: "Je älter Brandstätter geworden sei, desto mehr soll Albert ihn abgeschottet haben. Das Unternehmen weist das als "komplett falsch" zurück. Allerdings bedachte Brandstätter die langjährige Assistentin Albert mit den Jahren offenbar immer großzügiger in seinem letzten Willen."
Vor wem oder was sollte HOB denn abgeschottet werden?
Wer den Fall Maike Kohl-Richter mit allen Details (inklusive der Abschottung von Helmut Kohl von Freunden und Familie) verfolgt hat, weiß, wie die Dinge am Lebensende (und darüber hinaus) eskalieren können, wer der eindeutige Nutznießer und mutmaßliche Urheber solcher Situationen ist, wie die Medien darüber berichten und wie dann Aussage gegen Aussage steht.
Soweit zum Aspekt der Neuordnung der Besitzverhältnisse nach dem Tode von HOB.
Aussagen zum Führungsstil, zum Umgang mit Mitarbeitern und zum Betriebsklima gibt es genügend.
Scheinen sich unabhängig voneinander zu decken und verifizierbar zu sein.
Der Spiegel schreibt dazu:
"Der SPIEGEL hat mit mehr als einem Dutzend aktueller und ehemaliger Mitarbeiter und Manager gesprochen. Sie wollen anonym bleiben, viele fürchten Rache. Für die Unternehmenskultur von Playmobil verwenden alle denselben Begriff: "toxisch"."
Falls Formulierungen wie "Schreckensregime", "toxisch", "viele Mitarbeiter Rache fürchten Rache" fallen, sollte man sich seiner Sache ganz sicher sein. Gleiches gilt, falls man den Menschen mit den Zügeln in der Hand "Mißtrauen, Machtkämpfe und Inkompetenz" nachsagt.
Das ist sehr wichtig, weil ansonsten böse juristische Konsequenzen auf diejenigen zukommen können, die darüber vollkommen öffentlich berichten.
Langjährige Mitarbeiter erfahren erst kurz vor knapp von ihrer lange geplanten Kündigung. Das ist mir persönlich auch unabhängig von den Artikeln in den Medien mehrfach so kommuniziert worden.
Zur Kurter wird Folgendes angeführt:
"Zweifel gibt es auch an der Eignung von Playmobil-Chef Kurter. Vor seinem Einsatz in der Spielwarenwelt war er Manager beim Reifenhersteller Nokian Tyres. Für Spielwaren fehle ihm das Fingerspitzengefühl, sagen Kritiker. Er hat Wegbegleiter zu Playmobil mitgebracht und für sie allem Anschein nach eine komplett neue Managementebene eingezogen, die "Senior Vice Presidents". Playmobil ließ konkrete Fragen dazu unbeantwortet.
Die Kurter-Truppe, so heißt es in der Belegschaft, falle eher durch Managementfloskeln auf, weniger durch innovative Produktideen. Kurter gilt intern teils als "cholerisch", als "einer, der nach unten tritt". Playmobil bezeichnet das als "falsch". Nach oben zu rebellieren, wäre jedenfalls gefährlich, denn dort, so erzählt man sich in Zirndorf, hat er eine Machtfigur über sich: Marianne Albert.
Es gelte, was sie entscheide. Genauer gesagt: oft nicht entscheide. Prozesse laufen bei Playmobil mitunter sehr langsam, Albert gilt als risikoscheu. Diesen Befund stützen interne Unterlagen, die der SPIEGEL einsehen konnte."
Soweit zum Aspekt des Mißmanagements oder mehr als zweifelhaften Umgang mit Mitarbeitern.
Neu ist nun folgende Komponente:
"Anfang Dezember 2021 versammelten sich der damalige Chef und der Finanzvorstand der Holding gemeinsam mit Vertretern der beiden Eigentümerstiftungen bei einem Notar in der Nürnberger Innenstadt. Das geht aus Dokumenten im Handelsregister hervor. Der Anlass des hochrangigen Treffens: "Abspaltung von Vermögen aus der Horst Brandstätter Holding GmbH".
Große Auswirkungen zeigen sich in der Bilanz der Playmobil-Mutterfirma, der Horst Brandstätter Holding. Im Geschäftsjahr 2021/22 schrumpfte das Eigenkapital durch die Abspaltung um mehr als eine Milliarde Euro – auf gerade einmal rund 797 Millionen Euro. Auf einen Schlag verlor die Playmobil-Mutter also mehr als die Hälfte ihrer eigenen Mittel.
Die neue Struktur nährt einen brisanten Verdacht. Sollte die Holding nach weiteren Playmobil-Verlusten auf eine mögliche Pleite zusteuern, würde das ausgegliederte AKOH-Vermögen, das hauptsächlich aus Finanzanlagen besteht, nicht in die Insolvenzmasse fallen.
Mehr noch: Würde die AKOH einzelne Teile ihres wertvollen Besitzes verkaufen, würde der Erlös an Playmobil vorbeifließen – und unter der Kontrolle der Stiftungen bleiben, in denen Albert das Sagen hat. Die Folge: Die Stiftungen würden auch im Falle einer Playmobil-Pleite weiterhin Vergütungen ausschütten können, etwa an Albert.
Wollte die Patriarchin das Geld in Sicherheit bringen, während der Konzern absehbar in eine existenzielle Krise schlitterte?
Diese Frage beantwortet das Unternehmen nicht konkret. Auf SPIEGEL-Anfrage heißt es lediglich, der Konzern werde nicht "auf eine Pleite zusteuern"...".
Für mich lassen sich die Worte des Spiegel so interpretieren, daß Playmobil nicht nur durch Mißmanagement gegen die Wand gefahren wird, sondern daß der Vorgang durch Entzug von mehr als der Hälfte der finanziellen Reserve noch massiv beschleunigt wird.
Es war damals in den Medien davon die Rede, daß die AKOH zur Übernahme von Schleich gegründet wurde. Falls dem wirklich so gewesen wäre, hätte man das sicherlich auch so kommunizieren können. Der Spiegel hat das überhaupt nicht erwähnt.
Neu war übrigens nun auch die folgende Komponente:
"Die eigene Jahresvergütung haben sich Albert und die drei anderen Beiräte in der Holding in den vergangenen Jahren immer wieder erhöht. In Verlustjahren stiegen die Gesamtbezüge des Gremiums von 104.000 auf 237.000 Euro. Trotz Krise."
Allen Vorwürfen ist übrigens gemeinsam, daß diese von der Unternehmensführung komplett abgestritten werden. Also muß eine Partei lügen.
In Summe zeichnet oder bestätigt der Artikel (insbesondere zwischen den Zeilen) somit ein Bild, das auch mit viel Wohlwollen nur eine Interpretation zuläßt.