Oh, das ist fein!
Ernst hat schon den Wanderstock in sein Lastenrad gelegt.
Noch allerdings sitzt er im Wohnzimmer, hört Radio, schlürft einen recht heißen Kaffee und starrt raus in den Regen...
Moderatoren: KlickyWelt-Team, Antler, KlickyWelt-Team
Oh, das ist fein!
Mimi erzählt:
Espresso № 3
WAUN DA MOND SCHEINT
WENN DER MOND SCHEINT
St. Aegyd an der Unrechttraisen, 23. Dezember 1981 - 7. Jänner 1982.
Voaspü: Als ich wieder klar im Kopf bin, rufe ich Zio Gianni an und bedanke mich. Wenigstens ist die Sache diesmal nicht wieder in der Presse gelandet. Jetzt weiß ich endgültig, dass Gianni die Medien im Griff hat. Man darf ihn nicht unterschätzen.
Zwischen Österreich und den USA fliegen die Fetzen: Papa macht Mum Vorwürfe. Mum verteidigt sich nicht. Auch Ash macht Mum Vorwürfe. Wieder verteidigt sie sich nicht. Mum sieht furchtbar aus. Also verteidige ich sie. "Seid froh, dass mit Gretchen alles gutgegangen ist." Dann umarme ich Mum demonstrativ. Sie ist den Tränen nah.
Kein Wunder also, dass Mum schließlich die Flucht ergreift. Edda ist in Deutschland. Viel zu weit weg. Sie kann nichts ausrichten. Und dann liegt da im Krankenhaus dieser Flyer. Schönes Papier. Sanfte Farben. Her Haven™ Issaquah: Heilung. Würde. Erneuerung.
Mr. Nakamura will ein zweites Stück von mir. Meine Wahl fällt auf "Das Gespenst von Canterville". Lori spielt Virginia Otis. Nach dem Skript bin ich raus. Oma Maria hat mich zu Weihnachten zu sich nach St. Aegyd eingeladen. Vielleicht hat sie gemerkt, dass ich in den USA nicht glücklich bin.
Bild: privat + ChatGPT.
Föd 1: Meine Oma Maria und ihr Lebensgefährte, der Herr Horak, holen mich am 23. Dezember mit dem Auto vom Flughafen Schwechat ab. "Mimi!", empfängt sie mich, nachdem sie für mich quittiert hat. "Was bin ich froh, dich wiederzusehen. Groß bist du geworden. Und so dünn! Wo willst du noch hinwachsen? In den Himmel?"
"Ach, Oma!" Mir kommen sogar die Tränen. Normalerweise umarmt Oma Maria niemanden. Bei mir macht sie eine große Ausnahme. Im Auto gibt’s erst mal ein kaltes Schnitzel und Erdäpfelsalat aus dem Glas. Dazu eine Schartner Zitrone. "Das hast du sicher schon vermisst."
In Herrn Horaks dunkelgrünem Lada Niva geht es hinein in den winterlich verschneiten Wienerwald. Und von dort in den südlichsten Teil des Mostviertels in Niederösterreich, an die steirische Grenze und in die Voralpen. "Fabrikant Franz vorm Wald – Pietätswaren, ehem. k. u. k. Hoflieferant", lese ich. Nenne mir 3 Pietätswaren und erhalte 3 M&C's.
Föd 2: 24. Dezember – Heiligabend. Oma lässt mich ausschlafen, während sie mit Herrn Horak im Ort die letzten Besorgungen für die Feiertage macht. Am Nachmittag schmückt sie mit mir den Lichterbaum. Es ist der alte Familienschmuck: Holzfiguren, Strohsterne und Wachskerzen. Ich mag ihn sehr. Der Baum wirkt dann nicht so überladen.
"Das alles wird einmal dir gehören, wenn ich nicht mehr bin", eröffnet mir Oma Maria. "Oma, sag' doch so was nicht." "Doch, doch. Du hast es nicht leicht. Und ich mag nicht, wie man dich in der Weltgeschichte umadumschiebt." Vor der Bescherung wird gegessen.
Was hat die Wirtschafterin Frau Blauensteiner serviert, ehe sie sich wie die anderen an die Weihnachtstafel setzt? Für jeden Menüvorschlag (3 Gänge: Vorspeise – Hauptgang – Nachspeise) gibt es 3 M&C's für dich. Obacht: Bei den vorm Walds wird nicht maßlos gevöllert.
Föd 3: 25. Dezember – 1. Weihnachtsfeiertag. "Komm'. Ich will dir etwas zeigen." Wir fahren vom einen Ende des Ortes zum anderen und stehen dann vor der Ruine des ehemaligen Schlosses der Grafen vorm Wald. Oma Maria holt einen alten Schlüssel hervor.
Sie sperrt auf. Hinter einem schmiedeeisernen Tor geht es hinein in das Innere des Berges. 𝕴𝖓𝖛𝖊𝖗𝖓𝖚𝖒 𝕬𝖙𝖗𝖚𝖒. Unseliger Winter. Das kann ich auf dem Torbogen lesen. Plötzlich stehen wir in einer großen Krypta. "Hier ruhen die Gebeine unserer Ahnen. Auch 𝕬𝖊𝖌𝖎𝖉𝖎𝖚𝖘 𝕮𝖎𝖘𝖘𝖎𝖑𝖛𝖆𝖓𝖚𝖘, der Antler, hat hier seine letzte Ruhestätte."
Da begreife ich, dass mein Traum womöglich keiner gewesen war. Und dass der Antler, den ich liebte, fort ist.
Am Nachmittag bekommen wir Besuch aus Wien: Papa, die Parohy sowie meine Halbschwestern Sissi und Elfi. Papa liebt mich, aber er hat sich in ein Leben hinübergerettet, in dem für mich kein Platz mehr ist. Versuch du, Mimi mit 3 Smileys aufzuheitern. Ich weiß, das ist nicht leicht. Aber: 3 M&C's für dich im Erfolgsfall.
Föd 4: 26. Dezember – 2. Weihnachtsfeiertag. "Wir treffen uns mit jemandem", sagt Oma Maria. Wir fahren auf den Sonntagsberg. Die Basilika sieht man schon von weitem. Aber Oma Maria geht nicht auf sie zu. Sie geht an ihr vorbei. Ein zweites Gebäude steht dort: 𝖁𝖊𝖗 𝕾𝖆𝖈𝖗𝖚𝖒. Heiliger Frühling. Es wirkt wie eine Mischung aus Kapelle und Brunnenhaus.
Dort erwartet uns Frau Wellmann, Chris' Großmutter. Sie sperrt auf. "𝕬𝖋𝖗𝖆 𝕬𝖉𝖔𝖑𝖊𝖘𝖈𝖊𝖓𝖙𝖎𝖆", lese ich und denke nach. Und doch weiß ich sofort: Auch hier fehlt etwas. Ich sehe die beiden Frauen an. Sie schauen zurück, als wüssten sie längst mehr, als sie sagen werden.
"Du bildest dir das nicht ein", sagt Oma Maria. "Es gibt Dinge, die nicht jeder versteht." Frau Wellmann nickt nur. "Und manches", sagt sie dann, "sucht sich seinen Menschen früher, als ihm lieb ist."
Nach ihrem täglichen Mittagsschlaf trinkt Oma Maria für gewöhnlich ein großes Häferl Instantkaffee. Gruselig! Kannst du sie überzeugen? Würfle. ⚀ und ⚁: Das war wohl nichts. Du machst den Kaffee viel zu stark für sie. Ein Feld zurück. ⚂ und ⚃: Schon ganz gut. Aber alte Gewohnheiten änderst du so schnell nicht. Immerhin 3 M&C's für dich. ⚄ und ⚅: Du hast dir allergrößte Mühe gegeben. Ein Feld weiter.
Föd 5: Heute geht es mit Herrn Horak ins Hallenbad nach Mariazell. "Wir sperr'n erst um zehn auf", empfängt uns die übelgelaunte Kassiererin. Hinter ihr sehe ich den Badewart, einen Typen mit Schnauzer. Wir haben wohl ihr Stelldichein gestört. "Ist das dein Opa?", fragt sie mich. "Freilich", sage ich. "Wer denn sonst?"
Der Zufall will es, dass meine ehemalige Klassenlehrerin Frau Gerda Stajković aus Wien-Ober-St.-Veit mit ihrer Familie in Mariazell Ferien macht und ebenfalls das Hallenbad besucht. Ich begrüße sie freundlich. Sie erkennt mich sofort. Sie fragt mich, wie es mir geht. Ich erzähle ihr, dass ich in den USA bei meiner Mum lebe.
Hast du deine Klassenlehrerin früher schon einmal angeschwindelt? Würfle. ⚀, ⚁, ⚂ und ⚃: Ja, dann schäm dich. Das hast du doch nicht nötig. ⚄ und ⚅: Alles gut. Frau Stajković kennt nur eine andere Schlagzeile:
STIFF UPPER LIPS TURNED TO SMILES BY ROYAL WEDDING.
Föd 6: 31. Dezember – Altjahrstag. Oma Maria hat noch eine letzte Überraschung für mich. Edda bringt Chris vorbei. Über die Weihnachtsfeiertage hatte sie Dienst. Jetzt liefert sie Chris bei uns ab und fährt gleich weiter zu ihrer Mutti nach Ulmerfeld-Hausmening. Ich kann mein Glück kaum fassen.
Chris bleibt über Nacht. Zu Silvester sind wir beide fein herausgeputzt, wie zwei brave Kinder, die niemandem etwas zuleide tun. In Wahrheit sind wir nur froh, dass wir einander haben. Wir feiern mit Oma Maria und Herrn Horak ins neue Jahr hinein. Am nächsten Vormittag sitzen Chris und ich im Pyjama vor dem Fernseher und sehen uns das Neujahrskonzert an.
Bild Hochzeit von Charles, Prince of Wales, und Lady Diana Spencer: gemeinfrei.
Nochspü: "Hast du ihn noch?", fragt mich Chris später. Ich nicke und zeige ihr den alten PLAYMOBIL-Piratenkapitän Nine Silverspoon. Dann schenke ich Chris meine PLAYMOBIL-Indianerin. Das hatte ich schon lange vor. Sie trägt nur ein Messer, aber das reicht. Sie ist jederzeit bereit, es einzusetzen.
Fast hätte ich's vergessen: Edda Skolka, geborene Wellmann, fragt nach Mum. Ich erzähle ihr von Gretchens Geburt und davon, dass Gianni Molocher geholfen hat. "So, so. Der alte Katzelmacher", sagt Edda nur und spielt mit dem Siegelring, den sie seit der Scheidung wieder trägt.
Zu Dreikönig geht's zurück in die Staaten. Oma Maria steckt mir zum Abschied etwas zu: ein kleines Buch, eingewickelt in ein dunkles, schon etwas speckiges Tuch. Darin stecken ein Brief von Oma Maria und ein Votivbild. "Schau dir's später an." Dann fließen auf beiden Seiten Tränen.
Mum ist, als sie mich mit Gretchen am Sea-Tac abholt, kaum wiederzuerkennen. Sie strahlt und drückt mich – Gretchen auf dem Arm – ganz fest. Ich genieße diesen seltenen Augenblick. "Schön, dass du wieder da bist", sagt sie. Dann richte ich ihr die Grüße von Edda aus. Da wird sie ganz weich.
Kaffee?
Oma Maria schreibt:
VIUMOND
VOLLMOND
St. Aegyd an der Unrechttraisen, am 2. Jänner 1982.
Liebe Mimi!
Ich schreibe dir das lieber auf, bevor dir andere Leute ihren Unsinn ins Ohr setzen.
Bei uns wird gern von Blut geredet, von Herkunft, Stamm und Linie. Die Hälfte davon ist Geschwätz.
Die Cissilvani, also die vorm Walds, sind ein altes Geschlecht. Aber sie sind keine Blutlinie in dem Sinn, wie die Leute sich das vorstellen. Ein Haus vererbt nicht nur Blut. Es vererbt den Namen, den Grund, die Geschichten, die Toten, die Schuld - und manchmal auch das, was einer tragen muss, obwohl er nie darum gebeten hat.
Als Ahnherr gilt 𝕬𝖊𝖌𝖎𝖉𝖎𝖚𝖘 𝕮𝖎𝖘𝖘𝖎𝖑𝖛𝖆𝖓𝖚𝖘. Das heißt aber noch lange nicht, dass alles, was sich auf ihn beruft, auch leiblich von ihm abstammt. So einfach ist die Welt nicht. Sie war es nie.
Man sagt, Aegidius sei ein großer Mann gewesen, ein römischer Feldherr aus dem alten Noricum, geschätzt von Marc Aurel und gehasst von Commodus. Man sagt auch, man habe ihn Kerud, den Gehörnten, genannt. Die Leute machen gern etwas Großes aus so einem Namen. Dabei liegt oft nur eine kleine Gemeinheit darunter: dass ihm seine Frau Traisma Hörner aufgesetzt hatte. So ist es nämlich auch in der Geschichte: Das Große und das Lächerliche gehen oft Hand in Hand.
Wichtiger ist etwas anderes.
Man kann an einen Namen gebunden sein, ohne von ihm abzustammen. Und man kann von jemandem abstammen, ohne auch nur das Geringste von ihm begriffen zu haben.
Darum will ich nicht, dass du dir je einreden lässt, du gehörtest weniger dazu als andere. Oder zu viel. Beides wäre falsch.
Verlass' dich nicht zu sehr auf das, was die Leute Verwandtschaft nennen. Manches geht näher als Blut. Treue zum Beispiel. Oder das, was einer für einen anderen auf sich nimmt. Daran erkennt man oft mehr als an jedem Stammbaum.
Den Rest wirst du mit der Zeit schon selbst verstehen.
Hab' acht auf dich.
Deine Oma
𝕯𝖊𝖗 𝕬𝖋𝖗𝖆𝖇𝖗𝖚𝖓𝖓𝖊𝖓 𝖆𝖒 𝕾𝖔𝖓𝖓𝖙𝖆𝖌𝖘𝖇𝖊𝖗𝖌
Zur Zeit der Türkennot brachte man die Kinder und jungen Leute auf den Sonntagsberg, damit sie in Sicherheit seien. Unter ihnen war ein fremdes Mädchen mit dunkler Haut, stillen Augen und wenig Worten. Niemand wusste, woher sie kam. Als das Wasser knapp wurde, kam große Angst über alle.
In einer Nacht ging das Mädchen allein zu einem Stein nahe beim alten Brunnenplatz und kniete dort nieder. Was sie dort tat, hat niemand gewiss sagen können. Manche meinten, sie habe gebetet. Andere, sie habe geweint. Wieder andere wollten Blut auf dem Stein gesehen haben.
Am Morgen sprang an derselben Stelle eine warme Quelle auf. Das Wasser war klar und gut. Zuerst ließ man die Kinder trinken, dann die jungen Leute, und es hieß, wer davon trank, dem wurde das Herz leichter.
Das fremde Mädchen aber war verschwunden. Nur ein dunkles Tuch blieb zurück, und auf dem Wasser trieb roter Klee. Da sagte das Volk, es müsse 𝕬𝖋𝖗𝖆 𝕬𝖉𝖔𝖑𝖊𝖘𝖈𝖊𝖓𝖙𝖎𝖆 selbst gewesen sein, und nannte die Quelle von da an den Afrabrunnen.
Später baute man ein Haus über die Quelle. Das Wasser darunter aber lebt fort - besonders, wenn der Mond scheint.
Mimi erzählt:
Espresso № 4
DES LEIWAUNDSTE
DAS BESTE ÜBERHAUPT
Snoqualmie Pass, 4. - 6. Feber 1983
Voaspü: Kennst du das Gefühl, du warst auf Reisen, kehrst zurück, aber dein Herz ist dortgeblieben? So geht es mir nach dem Jahreswechsel 1981/82 in Österreich. Ich vermisse Oma Maria, Herrn Horak, Edda und natürlich Chris. Kaum wieder in den Staaten, rufe ich Gianni Molocher an.
"Zio Gianni, kennst du dich mit italienischen Siegelringen aus?" "Warum fragst du?" "Edda trägt ihren wieder." Schweigen. "Wie … wie sieht er aus?" "Roter Stein. Ein Frauenkopf. Und die Buchstaben L U C." "Woher hat sie den?" "Von Chris' Papa. Von einem Italiener." Wieder Schweigen. "Ich soll dir schöne Grüße von ihr ausrichten", lüge ich. "Wie sieht Edda aus?" "Blendend. Sie ist immer noch eine wunderschöne Blondine."
Nach meiner Rückkehr kippt die Stimmung. Her Haven™ beeinflusst nicht nur Mum. Durch sie greift die Organisation auch nach mir. Schon lange laufe ich nicht mehr nackt durchs Haus, wie ich es aus Wien gewohnt war. (Ash hat mich darum gebeten.) Nach Gretchen (geboren am 3. März 1981) kommt am 5. August 1982 Halbschwester Cat zur Welt. Immerhin weniger spektakulär.
Mum steckt mich in lange Röcke oder Kleider. Hosen und alles figurbetonte sind verpönt. Kein Schmuck. Kein Make-up. Nur ein Halsband, das sie Collar of Purity nennt und ich X-choker. Und als wäre das nicht schon genug, muss ich in Leavenworth im Dirndl auftreten und mein Wiener Dudeln zum Besten geben.
An unserer Schule gibt es zwei Mädchencliquen: Die Donnas sind zum Anschauen da. Die Misfits zum Aushalten. Mr. D. Savage ist unser Skilehrer.
Bild: privat + ChatGPT.
Föd 1: Trish Whitaker, das angesagteste Mädchen unserer Klassenstufe und Kopf der Misfits soll den Pazifischen Nordwesten verlassen und mit ihrem Zwillingsbruder und ihrer Mum nach Phoenix ziehen. Diese Nachricht verbreitet sich auf der Hinfahrt zu unserer zweitägigen Skifreizeit am Snoqualmie Pass wie ein Lauffeuer. Gleichzeitig entbrennt ein Streit um ihre Nachfolge.
Kaum habe ich mein Bett im Misfits-Matratzenlager der Hyak Lodge bezogen, kommt Trish auf mich zu - Beth Halbert ist in ihrem Gefolge. "Mimi, ich möchte, dass du meine Nachfolgerin wirst", sagt Trish, "aber nur, wenn du dich als würdig erweist." Dann zieht sie das Risiko-Spiel ihres Zwillingsbruders hervor. "Sieg oder Niederlage", sagt sie. Und plötzlich weiß ich, dass das hier kein Spiel mehr ist.
Wie sieht deine Strategie aus? Würfle.
⚀, ⚁, ⚂ und ⚃: Dank des übermäßigen Cola-Konsums kippt die Stimmung. Es wird gekreischt, gedroht und fast handgreiflich. Am Ende erringst du nach zähem Kampf doch noch den Sieg.
⚄ und ⚅: Das Glück wandert zwischen Trish und dir hin und her, bis du schließlich die Oberhand gewinnst. Die Punk-Band The Exploited verarbeitet später den Falklandkrieg in einem ihrer Songs:
LET’S START A WAR (SAID MAGGIE ONE DAY).
OST: United Balls ♫ Pogo In Togo (1980).
Föd 2: Nach dem viel zu schweren Frühstück - baked beans, double sausages and hash browns und miserablen Kaffee - werden wir eingeteilt. Draußen stehen wir in Reihen: Anfänger. Fortgeschrittene. Könner. Trish, Beth und ich landen bei den Könnern. Lori (eine Donna) auch. Trish tut, als hätte nie etwas anderes zur Debatte gestanden. Beth sagt nichts. Lori sieht aus, als gehöre ihr der ganze Hang.
Im Sessellift verliert Trish ihren Handschuh. Ein kurzer schwarzer Flug im Weiß, dann ist er weg. “F***!“, sagt sie. Alle sehen hinterher, als wäre mehr gefallen als bloß ein Handschuh. Trish lacht sofort zu laut, damit keiner merkt, dass es sie trifft. Mr. Savage wird ungeduldig. Oben wartet das Licht.
Und plötzlich ist Trish nicht mehr das Mädchen, dem alles zufliegt, sondern eins, das mit kalten Fingern dasteht und hofft, dass niemand es bemerkt. Unsere Skigruppe macht sich auf die Suche nach dem Handschuh. Würfle.
⚀ und ⚁: Der Handschuh liegt ganz oben beim Ausstieg. Wieda aufi - und dann gleich ein Feld weiter.
⚂ und ⚃: Der Handschuh liegt im Mittelfeld. Du beobachtest, wie der Mr. Savage und Lori durch den Tiefschnee der Lifttrasse wedeln. Weiter.
⚄ und ⚅: Der Handschuh liegt beim Einstieg. Durch Trishs Unachtsamkeit haben wir wertvolle Zeit verloren. Marsch, ein Feld zurück.
OST: UKW ♫ Ich Will (1982).
Föd 3: Carbonara e una Coca Cola. Zu Mittag ist Schluss. Mr. Savage sortiert Trish aus der Könnergruppe aus, als wäre sie ein Fehler im System. Zu laut. Zu unsauber. Sie lacht sofort. Zu schnell. Also trifft es sie. Beim Liften bleibe ich bei Beth. Sie sieht auf meinen Hals. "Das ist kein Schmuck", sagt sie. "Ich nenn's X-choker." Sie nickt. "Werd' es so schnell wie möglich los. Meine Mum hatte auch schon ‘mal solche Anwandlungen."
Im Bus sitzt Trish ganz hinten. Backbench. Wie ein Urteil. Beth und ich gehen trotzdem zu ihr. Nicht aus Mitleid. Aus Trotz. Beth hat Black Sabbath dabei. Einen Ohrstöpsel für sie, einen für mich. Trish lehnt am Fenster und spielt unberührbar. Wir glauben ihr nicht. Also rücken wir näher. Schulter. Ellbogen. Ein Kuss ins Haar. Noch einer an die Wange. Trish hält erst dagegen. Dann nicht mehr.
Mr. Savage dreht sich um. Zu lang. Zu sauer. Nicht weil wir laut sind. Weil wir zusammenhalten. Wähle 3 Smileys. Zeige dem Lehrer entweder eine Misfits-Kante oder besänftige ihn wie eine Donna. Bei Gefallen: 3 M&C’s für dich.
OST: Black Sabbath ♫ Heaven And Hell (1980).
Föd 4: Der Bunte Abend mit den Jungs - unter strenger Aufsicht des Lehrkörpers natürlich - ist da. Es werden Spiele gemacht, wie zum Beispiel das Heiratsantragspiel. Dann passiert etwas, womit ich nie gerechnet hätte: Ich bekomme ganze 3 Heiratsanträge. Die ersten beiden lehne ich ab. Den dritten macht ausgerechnet Trishs Zwillingsbruder Jay.
Wieder sind alle Augen auf mich gerichtet. Kuss oder Ohrfeige. Auch Trish sieht mich an. Prüfend. Warnend. Fast schon herausfordernd. Ich bitte Jay aufzustehen. Kuss oder Ohrfeige? Ich entscheide mich für den Kuss. Nicht für Jay. Für den Kuss. Also ziehe ich ihn zu mir und drücke ihm einen mitten auf den Mund (sehr zum Unverständnis aller Umstehenden), während ich Trish die ganze Zeit mit meinen Augen festhalte.
Trish verlässt den Gemeinschaftsraum. Was machst du? Würfle.
⚀ und ⚁: Du gehst ihr sofort nach. Im Flur holst du sie ein, fasst sie am Handgelenk und sagst: "Vergiss ihn. Ich hab' nur dich angesehen." Trish bleibt stehen. Sie reißt sich nicht los.
⚂ und ⚃: Du lässt Jay einfach stehen und folgst Trish ohne ein Wort. Draußen vor der Tür sagst du nur: "Wenn du jetzt gehst, geh' ich mit." Trish sieht dich an, als hätte sie mit vielem gerechnet, aber nicht damit.
⚄ und ⚅: Du wartest einen Moment, bis alle glotzen, und gehst dann ganz ruhig hinterher. Als du Trish im Treppenhaus findest, sagst du: "Eifersucht steht dir besser, als du denkst." Zum ersten Mal in ihrem Leben wird Trish davon nicht wütend, sondern still.
"Es bleibt in der Familie", sagst du. Es klingt frecher, als du dich fühlst. Dann küsst du sie. 3 M&C’s für dich.
OST: Ina Deter ♫ Neue Männer Braucht Das Land (1982).
Föd 5: Trish weckt mich mitten in der Nacht. "Mimi. Mimi! Was ist los mit dir?" Ich kauere vor dem Waschbecken und kämpfe gegen die Reste eines Alptraums an. Meine Hände stecken in meinen Haaren. Tränen steigen mir auf, noch ehe ich weiß, ob ich überhaupt schon ganz wach bin. Cissilvanus’ kopfloser Leib liegt vor uns. "Nonne videtis? Corpus sine capite." "Hey. Schluss jetzt. Du bist hier", sagt Trish. Ihre Stimme ist leise, aber bestimmt. "O miser Cissilvane!" Beth ist jetzt auch da. Sie sagt nichts.
Trish und Beth lösen mich vom Waschbecken. Trish nimmt mein Gesicht in beide Hände. "Schau' mich an", sagt sie. Dann zieht sie mich einfach an sich. Ganz nah. Beth bleibt dicht bei uns. So halten sie mich, bis das Zimmer wieder stärker ist als der Traum. Dann drückt Trish mir einen Kuss auf die Stirn. Kurz. Selbstverständlich.
"Sentite ferrum meum!", murmle ich. Was bleibt von der Nacht im Matratzenlager zurück? Würfle.
⚀ und ⚁: Nur Trish und Beth bekommen wirklich mit, wie es dir geht. Sie sagen am Morgen nichts, aber von jetzt an behandeln sie dich nicht mehr wie einen Prüfling, sondern wie etwas, das man schützt. + 3 M&C’s.
⚂ und ⚃: Ein paar der anderen werden wach und hören dein Latein. Am Morgen geht ein leises Gerücht um: "Mimi redet im Schlaf wie eine Besessene!" Bei den Misfits macht dich das interessanter. Bei den Donnas macht es dich verdächtiger.
⚄ und ⚅: Mr. Savage und die übrigen Lehrkräfte bekommen Wind davon. Niemand versteht, was du gesagt hast, aber alle merken sich, dass mit dir nachts etwas nicht stimmt. Ein Blick klebt länger an dir, als dir lieb ist.
OST: DAF ♫ Als Wär's Das Letzte Mal (1981).
FÖD 6: Vielleicht war ich deshalb am nächsten Vormittag schneller als die anderen: weil ich in der Nacht selbst festgehalten worden war. Am Sonntag fährt Lori plötzlich anders. Ein Schwung zu spät. Dann noch einer. So fährt sie sonst nicht. Unten am Rand halte ich an. Als sie bei mir ist, ist ihr Gesicht blass, die Lippen fast farblos. Sie nestelt am Reißverschluss vorbei, als gehörten ihr die Hände nicht richtig.
"Lori?" "Ich bin okay", sagt sie. Schon an der Stimme höre ich, dass sie nicht okay ist. Dann sehe ich das Schild an ihrer Kette. D I A B E T I C. "Unterzuckert? Zucker dabei?" Sie nickt kaum merklich und zeigt auf ihre Tasche. Ich reiße das zerdrückte Päckchen auf und drücke es ihr in die Hand. "Kauen. Jetzt." Sie gehorcht. Langsam. Ich halte sie am Arm. Fest. So bleibe ich bei ihr, bis wieder Farbe in ihr Gesicht kommt.
Später sagen sie, ich hätte Lori gerettet. Das ist zu groß. Ich habe sie nur festgehalten, bis sie wieder da war.
OST: Radio ♫ Nichts (1981).
Nochspü: Beth sagt, gegen Her Haven™ solle ich mir einen mächtigen Verbündeten suchen. Ich weiß schon, wen ... "Zio Gianni, ich brauche deine Hilfe." Gianni sagt erst einmal nichts. Also rede ich weiter. "Du hast meiner Familie mit deinem Einfluss schon einmal sehr geholfen."
"Bei Gretchens Geburt zum Beispiel. Du bist ein Mann, der Dinge in Bewegung setzen kann." "Schmeichel mir nicht, Mimi." "Vermisst du eigentlich seit jener Nacht mit den Fotos am Jacuzzi dein goldenes Feuerzeug mit deinen Initialen?" Gianni lacht. Nicht laut. Nur kurz. "Ja, ich weiß, das beweist gar nichts", sage ich.
"Aber Mum ist neben Gretchen und Cat viel zu sehr mit mir und meiner Erziehung beschäftigt. Dabei redet sie nur nach, was ihr diese Organisation Her Haven™ in Issaquah eingetrichtert hat. Ich habe genug davon." "Das ist normal für dein Alter", sagt Gianni. "Und wahrscheinlich sogar gesund."
"Zio Gianni, bitte. Lenk' sie um. Aber so, dass Mum nichts merkt. Und so, dass es weder auf dich noch auf mich zurückfällt." "Du schlägst mir also einen Handel vor?" "Gib Mum etwas, woran sie glauben kann, bevor diese Leute sie ganz verschlucken." "Das wäre?" "Hol’ sie zurück auf die Bühne. Gib ihr ihre alte Band aus New York wieder."
Kaffee?
𝕯𝖊𝖗 𝕬𝖓𝖙𝖑𝖊𝖗
Man sagt, zur Römerzeit habe im norischen Land ein großer Kriegsmann gelebt, 𝕬𝖊𝖌𝖎𝖉𝖎𝖚𝖘 𝕮𝖎𝖘𝖘𝖎𝖑𝖛𝖆𝖓𝖚𝖘 geheißen. Manche nannten ihn schon damals Kerud, den Gehörnten. Ob aus Spott oder aus Vorahnung, das weiß heute keiner mehr.
Er soll dem alten Kaiser Marc Aurel treu gedient haben. Als aber dessen Sohn Commodus den Vater verriet und sich selbst zum Herrn machte, wollte Kerud ihm nicht folgen. Darum schickte Commodus seine Prätorianer aus, damit sie den Widerspenstigen richten und sein Haupt zum Beweis bringen sollten.
Kerud kam noch verwundet bis zu seinem Gut Invernum Atrum, doch dort fand er alles verlassen vor. Seine Frau war fort, und mit ihr das Kind, das man seinen Sohn nannte. Da holten ihn die Verfolger ein, erschlugen ihn auf eigenem Grund, schlugen ihm das Haupt ab und nahmen es mit sich.
In derselben Nacht aber soll eine fremde Wanderin über das Gut gekommen sein: ein Mädchen mit dunkler Haut, stillen Augen und wenig Worten. Niemand wusste, wer sie war. Manche sagten später, es müsse 𝕬𝖋𝖗𝖆 𝕬𝖉𝖔𝖑𝖊𝖘𝖈𝖊𝖓𝖙𝖎𝖆 gewesen sein.
Als sie den Toten ohne Haupt daliegen sah, nahm sie den Schädel eines erlegten Hirsches, der gerade zur Hand war, und setzte ihn auf den Leib. Ob sie dabei sprach, weiß keiner. Manche meinten, sie habe gebetet. Andere, sie habe nur geschwiegen.
So blieb Kerud nicht mit einem Menschenhaupt zurück, sondern mit dem Antlitz eines Geweihten.
Viele Jahre gingen dahin. Reiche zerfielen, Häuser vergingen, und über dem alten Gut erhoben sich neue Mauern. Als dann im Jahr 1683 wieder große Not über das Land kam, erwachte der Tote aus seinem langen Schlaf. Da verehrte man ihn schon als hirschköpfigen Katakombenheiligen und nannte ihn Aegydius.
Von der Wanderin aber blieb nichts als ein Gerücht. Doch im Land sagt man noch heute: Wo junge Not und großes Verderben zusammentreffen, ist sie nicht fern.