(Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

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wällerplaymosammler
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von wällerplaymosammler » Freitag 6. Februar 2026, 20:24

Andi22 hat geschrieben:
Freitag 6. Februar 2026, 17:53
Bei all den unternehmerischen Fehlentscheidungen, die das Unternehmen in die Krise geführt haben, sollte dennoch die Frage erlaubt sein, warum denn der deutsche Standort, das Stammwerk, und nicht etwa die Werke in Malta oder Tschechien geschlossen werden. Wer den Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland bedauert, darf die Schuld daran nicht alleine der Unternehmensführung anlasten. Selbst wenn das Geschäft gut laufen würde, wäre die Verlagerung der Produktion kaufmännisch immer noch geboten. Wäre Geobra eine AG, wäre dieser Schritt womöglich sogar schon früher erfolgt.

Hier noch ein Presseartikel:

Standort-Aus: „Playmobil hat sich verloren“ | FAZ

https://share.google/lvPJcngJd0ZcHHh7r
Die Arbeitsstunde kostet in Malta oder in Tschechien gerade mal 18-20€/Stunde brutto, während hier im Schnitt 45€ Brutto anfallen. Rechne die Arbeitsstunden, das Material, die Entwicklungskosten auf das Set runter, und dann kommt man schnell zu dem Ergebnis das manche Teile hier herstellen nicht lohnt. Und das Thema ist nicht neu, schließlich wurde die DDR früher auch von vielen Führenden als „billige Werkbank“ betrachtet, als diese Teuer wurde, ging der Spaß in China weiter, und nun ist Südosteuropa und Nordafrika dran.

Aus meiner Sicht zur Betriebssituation:

Das die Mitarbeiter bei Geobra schlecht Gewerkschaftlich Organisiert ist, hängt mit der Abwehrhaltung von HOB zusammen, der Gewerkschaften Kritisch gegenüberstand, und noch Kritischer wurde, als die IG Metall anfing die Mitarbeiter zu organisieren, während die Geschäftsleitung dann die IG Holz und Kunststoff (inzwischen IG BCE) in der Firma zu etablieren. Damit ist die Verwirrung und der Zwist in der eigenen Firma perfekt.

Neue Mitarbeiter, welche es ja in den letzten 15 Jahren an Masse bei Geobra gibt, schreckt eine solch unsichere Betriebssituation ab, sich überhaupt Gewerkschaftlich zu organisieren. Heuer ist die Gewerkschaft bei Geobra ein Tiger ohne Zähne, eher noch ein Schmusekater.

LG

Lukas
Viele Grüße

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Fleisch ist ja bekanntlich ein vegetarisches Produkt das im Laufe eines sogenannten Getreideveredlungsprozess entsteht.
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JOSO
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von JOSO » Freitag 6. Februar 2026, 20:42

Wenn die Produktionskosten zu hoch sind und deshalb ein Werk in Deutschland dicht gemacht wird, wäre es doch an der Zeit, das Figurengeschäft und die ganzen dazugehörigen Spielwelten gleich ganz einzustampfen!
Und sich, nur noch auf SkyTrail und Blumentöpfe zu konzentrieren.
LG JOSO
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tccde
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von tccde » Freitag 6. Februar 2026, 22:13

Ich würde jetzt nun zusätzlich auch noch das SkyFail streichen.

Lange habe ich nun darüber nachgedacht, aber wer so mit seinen Menschenkindern und deren Schicksale umgeht hat bei mir jede Achtung verloren.
Egal was nun noch kommt, Bestellungen meinerseits sind ausgeschlossen.

Falls ich noch was brauche reichen mir die Gebrauchtmärkte und mein Drucker.
Schade. Das war vor zwei Jahren doch die falsche Entscheidung meinerseits. Ich hätte mich wieder im H0 Bereich verlieren sollen.

Nun denn. Machts gut und Danke für den Fisch.
zweiundvierzig
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Andi22
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von Andi22 » Samstag 7. Februar 2026, 00:09

wällerplaymosammler hat geschrieben:
Freitag 6. Februar 2026, 20:24
Andi22 hat geschrieben:
Freitag 6. Februar 2026, 17:53
Bei all den unternehmerischen Fehlentscheidungen, die das Unternehmen in die Krise geführt haben, sollte dennoch die Frage erlaubt sein, warum denn der deutsche Standort, das Stammwerk, und nicht etwa die Werke in Malta oder Tschechien geschlossen werden. Wer den Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland bedauert, darf die Schuld daran nicht alleine der Unternehmensführung anlasten. Selbst wenn das Geschäft gut laufen würde, wäre die Verlagerung der Produktion kaufmännisch immer noch geboten. Wäre Geobra eine AG, wäre dieser Schritt womöglich sogar schon früher erfolgt.

Hier noch ein Presseartikel:

Standort-Aus: „Playmobil hat sich verloren“ | FAZ

https://share.google/lvPJcngJd0ZcHHh7r
Die Arbeitsstunde kostet in Malta oder in Tschechien gerade mal 18-20€/Stunde brutto, während hier im Schnitt 45€ Brutto anfallen. Rechne die Arbeitsstunden, das Material, die Entwicklungskosten auf das Set runter, und dann kommt man schnell zu dem Ergebnis das manche Teile hier herstellen nicht lohnt. Und das Thema ist nicht neu, schließlich wurde die DDR früher auch von vielen Führenden als „billige Werkbank“ betrachtet, als diese Teuer wurde, ging der Spaß in China weiter, und nun ist Südosteuropa und Nordafrika dran.

Aus meiner Sicht zur Betriebssituation:

Das die Mitarbeiter bei Geobra schlecht Gewerkschaftlich Organisiert ist, hängt mit der Abwehrhaltung von HOB zusammen, der Gewerkschaften Kritisch gegenüberstand, und noch Kritischer wurde, als die IG Metall anfing die Mitarbeiter zu organisieren, während die Geschäftsleitung dann die IG Holz und Kunststoff (inzwischen IG BCE) in der Firma zu etablieren. Damit ist die Verwirrung und der Zwist in der eigenen Firma perfekt.

Neue Mitarbeiter, welche es ja in den letzten 15 Jahren an Masse bei Geobra gibt, schreckt eine solch unsichere Betriebssituation ab, sich überhaupt Gewerkschaftlich zu organisieren. Heuer ist die Gewerkschaft bei Geobra ein Tiger ohne Zähne, eher noch ein Schmusekater.

LG

Lukas
Das Statement von Lukas trifft den Nagel auf den Kopf, und es freut mich, dass er die Prinzipien der menschlichen Handlung (Praxeologie) intuitiv erfasst. Der Unternehmer ist kein Ausbeuter, sondern ein Diener des Konsumenten, der auf Preisunterschiede reagiert, um Ressourcen effizienter einzusetzen. In Deutschland belaufen sich die Lohnkosten auf 45 Euro pro Stunde, in Malta oder Tschechien auf 18–20 Euro – das sind klare Signale des Marktes! Würde Geobra diese ignorieren, würde das Unternehmen pleitegehen, und niemand würde von Playmobil-Spielzeug profitieren.

Und jeder Produzent ist zugleich immer auch Konsument. Niedrigere Produktionskosten in Malta senken die Preise für alle – einschließlich der deutschen Arbeiter in Dietenhofen, die dann günstigere Playmobil-Sets für ihre Kinder kaufen können. Stattdessen beklagt man den „Verlust von Arbeitsplätzen“, als ob Jobs ein Menschenrecht wären, das der Staat den Unternehmern aufzwingt. Das ist der Fehler des Interventionismus: Gewerkschaften und Regulierungen treiben die Kosten in die Höhe, machen Standorte unattraktiv und zwingen Unternehmen zur Flucht. Geobra produzierte seit 1974 in Malta, weil es dort Freiheit und Effizienz gab – nun schließt man Dietenhofen, weil Deutschland zum teuren Museum des Sozialismus geworden ist.

Wäre Geobra eine Aktiengesellschaft, hätte der Druck der Aktionäre diesen Schritt schon früher erzwungen. Stattdessen lahmt die Stiftungsstruktur, und die Verluste fressen die Reserven auf (100 Millionen Euro im letzten Jahr!). Schuldzuweisungen an die „Führung“ für diesen Schritt sind Unsinn – der Markt diktiert, und er hat recht. Wer Arbeitsplätze retten will, muss die Ursache bekämpfen: Weg mit Mindestlöhnen, Gewerkschaftszwängen und Steuerlasten! Dann blüht Deutschland wieder auf, wie es die freie Wirtschaft immer tut.
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Junker Jörg
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von Junker Jörg » Samstag 7. Februar 2026, 00:58

Andi22 hat geschrieben:
Samstag 7. Februar 2026, 00:09
Wer Arbeitsplätze retten will, muss die Ursache bekämpfen: Weg mit Mindestlöhnen, Gewerkschaftszwängen und Steuerlasten! Dann blüht Deutschland wieder auf, wie es die freie Wirtschaft immer tut.
Ich weiß ja ned, was Du arbeitest. Aber ich bin mir ziemlich sicher, daß die allermeisten von uns nicht mehr unter den Bedingungen arbeiten wollten, die wir zur Zeit der Industrialisierung in Deutschland hatten. Die Frage ist: Wo ziehen wir die Grenze? Ich persönlich bin der Meinung, hätten wir statt der freien noch die soziale Marktwirtschaft, könnten wir uns viel Bürokratie sparen, die wir heute v.a. brauchen, um die Geldmacher in Schach zu halten.

Ich war auf Malta. Klasse zum Urlaub machen. Dort leben und z. B. krank sein, hätte ich damals ned gewollt. Ich weiß auch ned, ob's in China ein Wort für 'Sozialhilfe' gibt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, daß ich auch dort nicht leben wollte.

Vielleicht müßten wir alle uns öfter an die eigene Nase packen und nur die Dinge einkaufen, die von Menschen hergestellt wurden, mit denen wir was Lebens- und Arbeitsbedingungen angeht, tauschen würden. DANN könnte Playmobil (und vermutlich viele Andere) noch in D produzieren. Dann müßten wir aber auch auf vieles verzichten, was unser Leben angenehm macht.

Ich fürchte, für dieses Problem gibt's keine einfache Lösung.

:jj
Andi22
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von Andi22 » Samstag 7. Februar 2026, 03:36

Lieber Jörg,

Ich bin Unternehmer. Und leider kann ich nicht mehr unter den Bedingungen arbeiten, die zur Zeit in Deutschland herrschen. Deshalb sah auch ich mich zu dem Schritt veranlasst, den Geobra jetzt vollzieht, und das obwohl ich meine Heimat liebe und auch gerne mein Geschäft von dort aus betreiben würde. Nur muss ich mich nach den Realitäten richten und nicht nach politischen Utopien.

Du irrst Dich grundlegend, wenn Du glaubst, dass die Bedingungen der frühen Industrialisierung das Ideal einer freien Wirtschaft wären. Niemand sehnt sich nach 16-Stunden-Tagen in Fabriken – aber genau diese Bedingungen entstanden nicht durch den freien Markt, sondern durch staatliche Zwänge, Monopole und Regulierungen, die den Unternehmergeist fesselten. Der freie Markt hebt die Lebensbedingungen aller Schichten durch Innovation und Wettbewerb. Siehe Großbritannien: Nach Abschaffung der Corn Laws und Deregulierung explodierte der Wohlstand. Die Arbeiterklasse stieg auf, Löhne verdoppelten sich, Kinderarbeit schwand durch Maschinen und Wohlstand.

Mindestlöhne? Sie sind ein Gift für die Schwächsten. Sie machen Arbeitskräfte teurer als ihren Marktwert und schaffen Arbeitslosigkeit – vor allem unter Jugendlichen und Unqualifizierten. In den USA verdoppelte der Mindestlohn in den 1950ern die Jugendarbeitslosigkeit. Gewerkschaften? Sie sind Kartelle, die Löhne künstlich hochtreiben und Unternehmen in den Ruin treiben oder ins Ausland vertreiben. Steuern? Jede Steuer ist Diebstahl am Produktivitätsgewinn und hemmt Investitionen.

Die „soziale Marktwirtschaft“ ist ein Trugbild. Ludwig Erhard, den ich schätze, wusste das: Er nannte sie eine Übergangsphase zur Freiheit. In Wahrheit ist sie Interventionismus light – und Interventionismus führt immer zum Sozialismus. Jede „Korrektur“ erfordert neue Bürokratie, die mehr schadet als nützt. Malta und China? Genau: Ohne Freiheit kein Wohlstand. China blüht erst, wo es marktwirtschaftlich agiert. Sozialhilfe? Im freien Markt gibt es keine Not, die sie erfordert, weil Arbeit und Unternehmertum allen Chancen geben.

Kauft, was ihr wollt – der Markt diktiert Preise durch Konsumentensouveränität. Wenn Playmobil in Deutschland produziert, weil Verbraucher faire Löhne und Qualität bezahlen, gut. Aber man sieht ja hier im Forum, wer bereit ist die utopischen UVPs zu bezahlen. Also zwingt auch nicht andere durch Löhne und Steuern dazu. Das führt zu Verzicht für alle.

Die Lösung ist einfach: Weg mit Zwängen. Lest „Human Action“, von Ludwig von Mises.
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Hagen von Tronje
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von Hagen von Tronje » Samstag 7. Februar 2026, 07:14

Hallo Andi22,
nun einfache Lösungen gibt es m.E. nicht, die einfache
Lösung gehört für mich ins Reich des Populismus.
Das was Du Sozialismus nennst nennen andere Menschenrechte.
Niemand erst recht nicht ein so unbelesener Arbeiter wie
ich wird in Abrede stellen dass "Human Action" ein wichtiges
Buch ist in dem mutmaßlich Vieles, sogar sehr Vieles steht das
richtig ist und manches das nur richtig klingt, das gilt aber
auch für "Das Kapital" und viele andere Bücher die man aber nur
kennen sollte wenn man sich in Ökonomie bilden möchte.
Würde eins dieser Bücher aber heute nochmal SO verfasst werden?
NÖ, sie sind allesamt überholt. Die Rahmenbedingungen und
Möglichkeiten haben sich drastisch geändert und noch etwas hat sich drastisch geändert:
die Definition von Wohlstand. Konsum alleine bedient nicht
alle Bedürfnisse einer Gesellschaft. Deswegen darf man ruhig
den Ludwig von Mises aus der Hand legen.
Vielleicht wären so kluge Köpfe wie Marx und von Mises heutzutage Umweltaktivisten?

Back to Geobra:
Also wenn ich es richtig verstehe gab und gibt es defacto keinen
nennenswerten Organisationsgrad und daher keine funktionierende Mitbestimmung. Damit kann man sich in dieser
causa das Gewerkschaftsbashing sparen, das hat der Horst schon
über Jahrzehnte erfolgreich betrieben und vielleicht, ganz
vielleicht ist das AUCH eine Ursache der jetzigen Probleme.

Herzlichen Gruß Hagen
A KLICKY A DAY - KEEPS THE DOCTOR AWAY!
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Vintz
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von Vintz » Samstag 7. Februar 2026, 08:16

Vielen Dank für all diese philosophischen Ausführungen.

Ich verstehe Ihren Kummer und kann ihn gut nachvollziehen.

Zwei Punkte möchte ich jedoch ansprechen: Haben Sie jemals die Fabrik in Malta besucht und die perverse Nutzung von Heimarbeit dort verstanden?
Ein System kann nicht funktionieren, wenn Menschen, die für einen Hungerlohn bezahlt werden, Güter produzieren, die anschließend von anderen Menschen arbeitslos gemacht werden :wirr
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alex v. historien
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von alex v. historien » Samstag 7. Februar 2026, 10:39

Ob ein Unternehmen etwas auslagert oder Stellen streicht, hängt von 2 Faktoren ab.

1. Politik.
Wenn die Voraussetzungen u.a. höhere Löhne, Bürokratie, Strom usw. sich ändern, wird gehandelt.

2. Missmanagement.
Hier ist die Firma selber Schuld. Falsche Entscheidungen führen halt zum oben genannten.
Zuerst kommt das Fußvolk dran, ganz zuletzt, wenn überhaupt die Führungsriege. Leider.
Der Fisch stinkt immer zuerst vom Kopf aus.

Spielzeug-Firmen sind gegangen, oder gehen und neue Firmen kommen. Das ist der Lauf der Dinge, bzw. der Zeit und dem Spielverhalten geschuldet.

LG Peter :blume

P.S.: Bei Playmobil ist es ein langsamer, schleichender Prozess zum negativen Aus.
Resinberg
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von Resinberg » Samstag 7. Februar 2026, 11:57

alex v. historien hat geschrieben:
Samstag 7. Februar 2026, 10:39
Ob ein Unternehmen etwas auslagert oder Stellen streicht, hängt von 2 Faktoren ab.

1. Politik.
Wenn die Voraussetzungen u.a. höhere Löhne, Bürokratie, Strom usw. sich ändern, wird gehandelt.

2. Missmanagement.
Hier ist die Firma selber Schuld. Falsche Entscheidungen führen halt zum oben genannten.
Zuerst kommt das Fußvolk dran, ganz zuletzt, wenn überhaupt die Führungsriege. Leider.
Der Fisch stinkt immer zuerst vom Kopf aus.

Spielzeug-Firmen sind gegangen, oder gehen und neue Firmen kommen. Das ist der Lauf der Dinge, bzw. der Zeit und dem Spielverhalten geschuldet.

LG Peter :blume

P.S.: Bei Playmobil ist es ein langsamer, schleichender Prozess zum negativen Aus.
Die Produktion im Ausland war schon immer mit Kostenvorteilen verbunden, doch Geobra hat sich jahrzehntelang für Qualität statt für reine Wirtschaftlichkeit entschieden. Eine Fabrik im Heimatmarkt hatte auch andere Vorteile, wie kürzere Vorlaufzeiten und die vollständige Kontrolle über die Produktion.

Aber wir leben in einer Welt, in der andere Regionen langsam aber sicher zum Westen aufgeschlossen haben. Wenn man darauf besteht, können die Chinesen heute unsere Qualität und Produktion erreichen oder sogar übertreffen. Sie – zusammen mit anderen Regionen – werden tatsächlich zu den wahren Innovatoren, während es im Westen nur noch eine Formel zu geben scheint, um den Erfolg aufrechtzuerhalten: Kostensenkung.

Im Fall von Geobra können wir sehen, wie 10 Jahre Kostensenkung letztendlich alles kannibalisiert haben: weniger Innovation, weniger Qualität, weniger Talent und Fachwissen, eine Tendenz, sich für die niedrig hängenden Früchte zu entscheiden, und infolgedessen eine kontinuierlich schwindende wirtschaftliche Relevanz. Das hat alle Merkmale einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Und vielleicht wird das zu einer Metapher für unsere Gesellschaft insgesamt.

Das führt leicht zum politischen Aspekt: Es ist die Schuld der Regierung, es ist der Spätkapitalismus, oder stattdessen zahlen wir den Preis für Jahrzehnte des Sozialismus, oder wir spielen die Einwanderungskarte aus. Das Problem mit diesen politischen Ansichten ist jedoch, dass sie oft auf Schwarz-Weiß-Denken zurückgreifen und das Gesamtbild nicht gesehen wird, was nur zu halbherzigen Maßnahmen und unausgereiften Lösungen führt.

Es ist typisch für Zeiten des Niedergangs, dass wir meist etwas oder jemanden brauchen, dem wir die Schuld geben können, damit wir uns selbst weiter beruhigen können. Aber das führt nicht zu Lösungen. Um auf Geobra zurückzukommen: Sie machen die Kosten für die Schließung der Fabrik verantwortlich, damit sie nicht die Schuld für 10 Jahre Misswirtschaft und den darauf folgenden Niedergang auf sich nehmen müssen.
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Junker Jörg
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von Junker Jörg » Samstag 7. Februar 2026, 12:25

Resinberg hat geschrieben:
Samstag 7. Februar 2026, 11:57
Es ist typisch für Zeiten des Niedergangs, dass wir meist etwas oder jemanden brauchen, dem wir die Schuld geben können, damit wir uns selbst weiter beruhigen können. Aber das führt nicht zu Lösungen. Um auf Geobra zurückzukommen: Sie machen die Kosten für die Schließung der Fabrik verantwortlich, damit sie nicht die Schuld für 10 Jahre Misswirtschaft und den darauf folgenden Niedergang auf sich nehmen müssen.
Ich würde sagen, es ist allgemein typisch für unsere Gesellschaft: Wir suchen immer nach Schuldigen. Das ist sicher manchmal sinnvoll, weil es Schuldige gibt, die zur Verantwortung gezogen werden sollten - und weil es hilft, Fehlern in Zukunft vorzubeugen. Das ist sicher weniger hilfreich, wo wir vielleicht auch mal akzeptieren müssen, daß wir eben doch ned alles in der Hand haben - und daß Dinge passieren, ohne daß wer konkret Schuld hat.

Hier sehe ich eher Fall 1: Mißwirtschaft durch eine überforderte Firmenleitung spielt bei Playmobil sicher eine Rolle. Ich mag aber uns als Gesellschaft ned so leicht aus der Verantwortung entlassen. Wir leben über unsere Verhältnisse. Wir können uns vieles bloß deshalb leisten, weil es unter Bedingungen hergestellt wird, unter denen wir ned arbeiten wollten. Und ich fürchte, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir merken: Wir lassen uns grad abhängen - nein: Wir hängen uns selbst grad ab. So werden wir unseren Kindern die Standards, die für uns selbstverständlich sind, nicht mehr bieten können.

Ich will die Politik ned pauschal aus der Verantwortung entlassen. Aber ich denke, wir machen es uns zu leicht, alle Verantwortung nach Berlin abzuschieben :nixweiss .

jj:
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von t.and.a » Samstag 7. Februar 2026, 14:44

Interessante Ansichten.

Wir leben in einer globalisierten Welt. Man geht heute dorthin, wo die Bedingungen für einen selbst optimal sind. Unternehmen handhaben das auch so, man kann es ihnen nicht verübeln. Und seien wir ganz ehrlich: Der Konsument zwingt sie dazu.

Will man denn als Unternehmer in einem Land produzieren, in dem selbst mittlerweile die Vier-Tage-Woche zuviel sein soll, die Gewerkschaften meistens nicht nachhaltige Entscheidungen erpressen und die Steuern und Bürokratie alles im Keim ersticken?

Nachdem man produziert hat, konkurriert man auf einem globalisierten Markt mit Ländern, die das nicht so handhaben und die deutsche Konkurrenz mittlerweile mit ihren Produkten (sei es im Preis, sei es in der Qualität oder in einer Kombination aus diesen beiden Parametern) weit hinter sich lassen.
t.and.a
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von t.and.a » Samstag 7. Februar 2026, 15:25

Junker Jörg hat geschrieben:
Samstag 7. Februar 2026, 12:25

Vielleicht müßten wir alle uns öfter an die eigene Nase packen und nur die Dinge einkaufen, die von Menschen hergestellt wurden, mit denen wir was Lebens- und Arbeitsbedingungen angeht, tauschen würden. DANN könnte Playmobil (und vermutlich viele Andere) noch in D produzieren. Dann müßten wir aber auch auf vieles verzichten, was unser Leben angenehm macht.

[...]

Ich mag aber uns als Gesellschaft ned so leicht aus der Verantwortung entlassen. Wir leben über unsere Verhältnisse. Wir können uns vieles bloß deshalb leisten, weil es unter Bedingungen hergestellt wird, unter denen wir ned arbeiten wollten. Und ich fürchte, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir merken: Wir lassen uns grad abhängen - nein: Wir hängen uns selbst grad ab. So werden wir unseren Kindern die Standards, die für uns selbstverständlich sind, nicht mehr bieten können.
Solche Utopien funktionieren immer nur solange, solange sich wirklich alle daran beteiligen. Also nie. :wink

Das schwächste Glied bestimmt die Kette und es gibt beim System Mensch immer ein schwächstes Glied.

Ob es der Pazifismus, der Kommunismus oder der diskutierte Sozialismus sind: Alles Konstrukte, die von Menschen erdacht wurden, ethisch sicherlich überzeugend, aber komplett an der Blaupause Mensch vorbeigedacht worden sind.
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von t.and.a » Samstag 7. Februar 2026, 15:35

Die Krise von Playmobil ist hausgemacht.

Playmobil geht es wie der weltfremden Erbengeneration eines erfolgreichen Unternehmens.

Man muß nicht mehr wirklich konkurrieren oder innovieren, denn Geld ist doch da.

Man hat Geld, weiß aber nicht, wie hart es ist, es zu erwirtschaften. Man muß es auch nicht erwirtschaften, denn man hat es ja.

Man besetzt Posten nicht nach Kompetenz, sondern nach Sympathie oder Loyalität.

Mitarbeiter werden nicht als Asset, sondern als Liability gesehen, überwacht, gemobbt, gegängelt oder wegrationalisiert.

Die Kunden versteht man nicht, man konzentriert sich lieber auf die hausinternen Intrigen.

Gelegentlich holt man sich "weisen" und teuren Rat von Extern (vielleicht versteht man dort den Kunden?), probiert sich aus und gibt dann dem Kunden und seinem veränderten Konsumverhalten die Schuld. Immerhin hatte man doch alles versucht...

Letzten Endes ist das alles nicht nachhaltig und irgendwann ist dann eben Schluß.

Dies nur als kurze Zusammenfassung der (hoffentlich auf Beobachtungen basierenden) Meinungen, die man hier, in anderen Foren, bei Mitarbeitern von Playmobil oder in der Fachpresse antrifft.

Und ja, sicherlich ist es nicht hilfreich, sich noch mit der Konkurrenz, den Gewerkschaften, der Bürokratie oder der steuerlichen Wegelagerei in Deutschland beschäftigen zu müssen.
t.and.a
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Re: (Unternehmens-)Neuigkeiten von Geobra?

Beitrag von t.and.a » Samstag 7. Februar 2026, 16:08

Resinberg hat geschrieben:
Freitag 10. Januar 2025, 20:12

Meine abschließende Analyse lautet wie folgt:

Jemand, der im Grunde eine unsichere Führungspersönlichkeit ist, wurde auf den großen Stuhl gesetzt. Währenddessen war das Unternehmen immer noch voller erfahrener Leute, die HOB kannten und auch - zumindest teilweise - seine Vision kannten. Dadurch lief das Unternehmen fast von selbst.

Wenn ein Patriarch stirbt, kommt es natürlich zu einer kleinen Krise. Es gibt diejenigen, die an dem Erbe festhalten wollen, und diejenigen, die endlich eine Chance für Veränderungen sehen. Und was auch immer die neue Führungspersönlichkeit tut: nicht alle werden glücklich sein und Kritik wird es überall geben.

Die unsichere Führungskraft reagiert dann damit, dass sie die kritischen Stimmen aus dem Unternehmen entfernt. In der Regel sind das die erfahrensten und langjährigsten Kollegen.

Also werden an ihrer Stelle neue Leute eingestellt, die oft vom ersten Tag an alle Anfängerfehler mitmachen müssen. Und weil der Chef keine Insider-Kritik will: Es sind fast immer Leute, die der Spielwarenbranche völlig fremd sind.

Zwei Jahre später werden auch die Neuen gefeuert, wenn sie den Mund aufmachen, und hinterlassen eine noch schlampigere Situation, mit vielen Fehlern und einer halbfertigen Reorganisation, die am seidenen Faden hängt.

Also kommt wieder eine neue Welle von Managern an Bord, die sich mit einer verlorenen Vision, einer gescheiterten Umstrukturierung und einem Haufen Anfängerfehler herumschlagen müssen, die es zu korrigieren gilt. Am Ende entsteht eine Situation, in der es einfach keinen Raum mehr für Wachstum oder Innovation gibt. Alle Energie wird benötigt, um einen weiteren Tag zu überleben.
Weil es (wieder einmal) zum Thema paßt, hole ich diese brilliante Analyse der Gesamtsituation von Resinberg noch einmal nach oben.
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